Marcel Callo Haus: Kapitalismus und dann?

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Marcel Callo Haus: Kapitalismus und dann?

Ungelesener Beitrag von mar » Donnerstag 27. November 2014, 04:53

Bernd Winkelmann: "Kapitalismus und dann? – Ansätze einer alternativen Ökonomie"

Marcel Callo Haus, 27. November 2014, 19:30 Uhr

"Der Referent wird Ansätze einer alternativen Ökonomie zur Diskussion stellen, wie sie in der Akademie Solidarischer Ökonomie erarbeitet wurden." Träger dieser Akademie ist die Stiftung Ökumene in Deutschland. Eine erste Vorstellung worum es geht geben vielleicht diese 10 Thesen.

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Re: Marcel Callo Haus: Kapitalismus und dann?

Ungelesener Beitrag von niels » Donnerstag 27. November 2014, 10:12

...jaja,
seit Stalin (der ja selbst Priesteranwärter war und wusste, wie "es geht") für die Amtskirchen keine Gefahr mehr darstellt, und die Mitglieder kommunistischer / maxistischer Parteien selbst wieder en Masse in die Kirchen eintreten, fällt einem selbst ein, das Marxismus und Sozialismus nur ein an die Zeit angepasster Abklatsch der uralten Christenideologie ist und sich ebenso trefflich dafür verwenden lässt, wieder merh Einfluß und Macht auf die Menschen zu erhalten.

So ließ es sich der Oberpope erst vor Tagen (und gegen die Proteste der Franzosen, bei denen ja tatsächlich eine Trennung von Staat und Kirche existiert) der inzwischen selbst vornehmlich sozialistisch durchtränkten EU-Regierung Nachhilfestunden in Sozialismus zu geben. Und das Kirchen nun auch noch zu "Ökonomieexperten" mutieren, könnte lächerlicher nichts ein - fällt zu Zeiten des gutmenschlichen Wahnes ganzer Massen aber auch nicht mehr auf.

Das man dabei ebenso frech den Term "Solidarität" verwendet (welcher einen freiwilligen Zusammenhang suggeriert bzw bezeichnet), faktisch aber Zwangsenteignung anderer wie die Abschaffung des Rechtes auf Individualeigentum - damit nicht zuletzt auch des Individualismus als solchen meint (wie gut das die Kirche kein Individuum, sondern eine stets privilegierte Organisation ist...), wird spätestens bei derlei "Vorträgen" sichtbar - ebenso sehr, wie sich die Kirchen heute noch nicht gewillt sind, die Trennung von Staat und Kirche anzuerkennen udns ich nicht in die Belange derer, die nicht ihre Mitglieder sind, "einzumischen". denn eiens weiß die Kirche genau: Arme, freiheitsängstliche und deindividualisierte/gleichgeschaltete Menschen sind die treuesten Schäfchen.

Dabei steht es der Kirche samt Ihren Mitgliedern frei, auf sämtliches Individualeigentum zu verzichten bzw dieses unbedingt mit anderen, die sie sich sogar aussuchen können, zu "teilen". Hier aber geht es darum, sichs elbst zum moralisch überlegeneren, zum besseren Menschen zu deklarieren - sich selbst Zusatzpunkte auf dem Himmelkonto bei Göttchen zu verschaffen, indem man andere dazu zwingt nach der eigenen Ideologie zu handeln bzw. deren Folgen zu tragen.

Wie praktisch solch ein Selbstbetrug - wie gefährlich eine solche Ideologie - doch sein kann...

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Re: Marcel Callo Haus: Kapitalismus und dann?

Ungelesener Beitrag von niels » Donnerstag 27. November 2014, 10:36

...sorry für den Zusatz:

Abgesehen davon, das Behauptungen wie "die Schere zwischen arm und reich wächst stetig" aussagefrei bzw. Basis für den in den "zehn Thesen" folgenden populären Vodoo sind - lässt man außer acht, das vor allem der breite Wohlstand in den Ländern wächst, die bisher als die ärmsten galten (abgesehen von den Ländern, in denen mal wieder "Sozialismus" Einzu hielt), was die Menschheit vor ihr eigentliches künftiges Ressourcenproblem stellt,
a) das Kapitalisierungsprinzip: Aus Geld muss mehr Geld werden,
Eine typische (und ökonomiewissenschaftlich schlichtweg falsche) Phrase, mit der man auf den Neidnerv ökonomieungebildete schlichte Gemüter abzielt.

Geld ist lediglich ein Werkzeug, was nicht zuletzt verhindern hilft, das sich Menschen heute noch beim Streiten um jedwede Ressource die Köpfe einschlagen. Wer zB aus obigem (falschen) Satz ableitet, das damit lediglich die Geldmengen stetig stiegen, ohne das ein echter Mehrwert dahinter stünde, erkennt nicht, das dies lediglich Inflation bedeutete - d.h. das man mit der "nur aus Geld generierte" neue Geldmenge reicher würde, kann nicht funktionieren, da es auch in der Ökonomie kein perpetuum mobile gibt. Die Preise für jedwedes Gut (an freien, d.h. nicht staatlich manipulierten) Märkten würden ebenso mitsteigen - d.h. der "Reiche" hätte genausoviel Kaufkraft wie zuvor - demnach war jeder deutsche vor 100 Jahren schon mal "Reich", weil ja "Milliardär", wenngleich er dennoch hungern musste. Seltsame Definition von "reich"...

Aber das nur als ein Beispiel fü die Idiotie derlei Religioten wie auch Wahra Sagenknecht und Konsorten (die übrigens tatsächlich reich sind, weil - im Gegensatz zu den meisten ihrer Wähler - tatsächlich erstaunlich vermögend, wobei man dann auch fragen darf: "woher eigentlich"...).

"Kapitalismus" bedeutet nicht mehr und nicht weniger "freie Märkte", wobei Freiheit ebenso ebenjener Definition unterliegt, wie in allen anderen Lebensbereichen auch. Es gibt keine entindividualisierte Freiheit oder Freiheit von Gruppen, sondern Freiheit ist IMMER an das Individuum gebunden. Ein individuell seiner Freiheit beraubter Mensch kann nicht durch Freiheit eines "WIR" "frei" werden.

Kirchen / Religioten hassen jedwede Form von Freiheit (da sie ihre eigene privilegierte Position einschänkt), weshalb sie auch imemr prächtige Gefährten jedweder Form von Diktatur und Mittäter an jedweder Unterdrückung waren. So wird "Freiheit" mit Rechtlosigkeit gleichgesetzt, um Freiheit ihren Wert zu nehmen. So ist man sich auch nicht zu schade, Darwin zu mißbrauchen un den von ihm nie gesagten Satz unterzuschieben: "Das Recht des Stärkeren", auf dem das ganze Idiotiegebilde des Bessermenschentums aufbaut.
b) das Privatisierungsprinzip: Privatisierung jeder möglichen Wertschöpfung.
Wertschöpfung erfolgt nahezu durchweg privat - durch einzelne Menschen oder Gruppen, durch Unternehmungen einzelner Menschen oder Gruppen. Derlei Aussagen aber sollen die Falschbeuaptung insinuieren, das durch privates Eigentum anderen Wertschöpfung (und das ohne "Gegenleistung") "weggenommen" wurde. Nur auf diese Weise schafft es der Räuber und Dieb, seine Tat zu entkriminalisieren - er spricht dem Bestohlenen die Rechtmäßigkeit seines Eigentumes ab.


Schade, das es kein Jesus-Gebot gab: ""Du sollst nicht neidisch sein"" (wobei Cristen sehr erfinderisch sind,w enn es darum geht sich um Gebote, über die sie sich selbst definieren, zu drücken. Da war Buddha wohl schon Jahrtausende vor ihm weiter... ß)

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Re: Marcel Callo Haus: Kapitalismus und dann?

Ungelesener Beitrag von mar » Donnerstag 27. November 2014, 11:16

Hallo Niels, ich bin verblüfft, wieviel du über einen Vortrag sagen kannst, bevor du ihn gehört hast. Naja, immerhin hast du vor deiner zweiten Antwort dann offensichtlich doch mal die Thesen überflogen.

Zentral bei dem Thema finde ich folgende Frage, die du nicht angesprochen hast: Begrenztes oder unbegrenztes Wachstum?

Aus Geld muss mehr Geld werden: Gemeint ist Rendite, nicht Geldmenge.

Eigentum und Privatisierung: Ich denke, es sollte Bereiche geben, in denen der Vorrang von Privateigentum vor dem Gemeineigentum eingeschränkt ist, z. B. (und wahrscheinlich wenig kontrovers) im Urheberrecht.

Vielleicht trinkst du vorher noch in Ruhe einen Tee und machst eine Runde um den Block, falls du noch eine Antwort planst. :)

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Re: Marcel Callo Haus: Kapitalismus und dann?

Ungelesener Beitrag von niels » Donnerstag 27. November 2014, 12:11

Hallo Niels, ich bin verblüfft, wieviel du über einen Vortrag sagen kannst, bevor du ihn gehört hast. Naja, immerhin hast du vor deiner zweiten Antwort dann offensichtlich doch mal die Thesen überflogen.
Nun,
vielleicht solltest Du mal Deine eigenen Links lesen ß)...
http://www.akademie-solidarische-oekono ... /10-thesen
http://www.akademie-solidarische-oekonomie.de/index.php

zudem ist die neue marxistische Linie der Kirchen und des Katholenpapstes ja kein Geheimnis mehr.
Zentral bei dem Thema finde ich folgende Frage, die du nicht angesprochen hast: Begrenztes oder unbegrenztes Wachstum?
Ach, nu komm Du mir nicht auch noch mit diesen wiedergängigen Gebeten aus der Bessermenschelei der Inkompetenz. Schlimm genug, das man sich derlei Indotrination tagtäglich über den "journalistisch unabhängigen" Reichsfunk aus ARD, ZDF & Co (sowie inwzsichen auch den privaten in Besitz konservativster Kirchlinge) reinziehen soll, den man selbst mit Zwangsabgaben zu finanzieren hat.

Wachstum bedeutet Fortentwicklung des Wohlstandes (der Bedarf des Menschen ist theoretisch unendlich) und nicht (wie von vielen Möchtegernökonomen heute fehldefiniert): wachsenden Verbrauch in ihrer Menge endlicher, irdischer Ressourcen, sondern mindestens ebenso Zunahme an Technologie (Wissen) und Effizienz, wobei letztere vor allem bei wachsendem Ressourcendruck an Bedeutung gewinnen. Zudem gibt es eine ganze Reihe an ressourcen, die im Kontext der Menschheit nicht in ihrer Menge, maximal ihrer örtlichen bzw. zeitlichen Verfügbarkeit endlich sind (insbesondere Energie, die ja vornehmlich von der Sonne kommt).

Um es kurz zu machen: Ohne weiteres Wachstum oder gar durch ökonomischen Rückschritt wird die Menschheit ihre anstehenden Probleme erst recht nicht lösen können. Wer derlei Unsinn in Umlauf bringt, macht sich mitverantwortlich und verklärt die Historie.

Da der Ressourcendruck durch staatliche Manipulationen an freien Märkten lange künstlich gering gehalten wurde (u.a. um Wahlgeschenke zu bezahlen uswusf), sieht man sich nunmehr einer Situation gegenüber, die nicht mehr verstecken kann, das (vor allem Staaten und korrupte Regierungen) auf Kosten der Zukunft gehandelt haben - sei es selbst oder über korrupte Handlanger in Form von staatlich privilegisierten Unternehme(rn)n). Hinzu kommt, das viele der größten dieser Ressourcen in Ländern lagen bzw. liegen, die alles andere als freiheitlich sind.

An freien Märkten bestimmen Angebot und Nachfrage den Preis einer Ressource, wobei eine in Menge endliche Ressource bei wachsender Nachfrage überproportional im Preis plus (über)proportional zur Zeit im Preis steigt, was einerseits die Nachfrage reguliert, zum anderen aber die Suche nach Effizienz und Schaffung von Alternativen fördert, für die wiederum mehr Kapital (d.h. insbesondere auch menschliche Ressourcen) zur Verfügung stehen. Der, der mit einer Ressource den höchsten Nutzen generieren will und mit höheren Erfolgsaussichten auch wird, wird den höchsten Preis dafür zahlen, was nur funktioniert, sofern es sich um sein Kapital, also um SEINEN Einsatz in SEINER Verantwortung, weil SEIN Risiko handelt. Funktioniert es nicht, hat er dennoch seinen Ressourcenanspruch in gleicher Höhe verwirkt, da in Form von Kapital an die (im weitesten Sinne) "Allgemeinheit" verloren.

Die Idee, Verantwortung von Risiko trennen zu wollen, wie sie Marxismus und Sozialismus in ihrer Folge zum Kern haben, kann ebensowenig funktionieren wie ein perpetuum mobile und ist genauso unsinnig wie der Idee der Vermehrung von "Reichtum" durch "Geldschöpfung aus dem Nichts" (auch hochtrabend als "Giralgeldschöpfung" bezeichnet) bzw. Geldmengenvermehrung - an freien Märkten. Derlei Ideologismen erinenrn an die Gottesbeweise vvon Christen, die glauben durch Wissenschaft Gottesexistenz belegen zu können - da wird mal eben der Wunschgedanke zur "wissenschaftlichen Erkenntnis" erhoben.

Schon seit Jahrtausenden hat der Mensch enorme Schäden an der Natur und Umwelt durch rücksichtslose Ausbeute dieser generiert - dies heute als "Erfindung" oder "Folge" der Freiheit (zu denen ebenso freie, nicht manipulierte, Märkte gehören) zu verkaufen, lohnt sich für all jene, denen Freiheit ein Dorn im Auge ist bzw. eine Möglichkeit darin sehen, zu persönlicher (übrigens individueller!) Macht zu gelangen. Tatsächlich ist Natur- und Umweltschutz dort am fortschrittlichsten, wo freiheitliche Gesellschaftsordnungen herrschen (zu denen ich die USA übrigens nicht uneingeschränkt zähle) - fast durchweg ein Ergebnis der Arbeit von Unternehmern, von Menschen, die persönliches Risiko auf sich genommen haben - mit dem Ziel persönliches Eigentum und Individualität zu schaffen.

...Und Stillstand als solcher bedeutete bereits Rückschritt. Ohne Wachstum wird es die Menschheit über kurz oder länger nicht mehr geben, schon weil die Natur sich nicht mit-anhalten lässt.

Aber tatsächlich geht es doch um die Unehrlichkeit, das verwöhnte Westler heute erkennen, das - würde nun auch die zu mehr und mehr Wohlstand kommende restliche Erdbevölkerung - ebensolche ineffizienten Ressourcenansprüche stellen, wie sie für zB Europäer selbstverständlich zum "Komfort gehört" oder lange gehörte, das die mengenbegrenzten Ressourcen erst recht nicht mehr lange reichen - schon gar nicht für die fixe Idee, das nun alle - weil es "gerecht" ist - auf ebendiesen Stand an Wohlstand gehievt werden müssten - und das am besten noch ungeachtet deren ökonomischer Leistung.

Das die Weltbevölkerung zu schnell wächst, davon redet übrigens kaum einer jener Besserwisser - im Gegenteil: Durch mehr "Wohlstand für alle" (und Verbot von Verhütungsmitteln) soll die Fortpflanzung sogar noch angefeuert werden.. Durch die heutigen politischen Idee von Öko und Bio in der Lebensmittelproduktion, übereilten Atomausstieg (auf Kosten der CO2 Bilanz) verschärft sich das Problem der Agrarressourcen noch und während Deutsche auf Ihren für Nahrungspflanzenanbau geeigneten Äckern (die machen nämlich nur 15% aller agrarnutzbaren Flächen aus) Nahrungspflanzen produzieren, um sie zu verheizen - den Rest künftig mit ertragsarmer Landwirtschaft von gestern bepflanzen wollen, decken wir einmal merh unseren bedarf über die Flächen in ärmeren Ländern - auf Kosten für alle steigender Lebensmittelpreise: wie praktsich, wenn man das Ergebnis dann wieder einer Minderheit in die Schuhe schieben kann: dem "äntärnationahlen Fänanzjodentoom" oder heute politisch korrigiert: "den Finanzspekulanten" - so braucht man sich einmal wieder nicht an die eigene Nase fassen...

Wie also will man jetzt all den anderen Erdbewohnern das verbieten, was man selbst nicht misseen will? Man schiebt ihnen eine wirre Ideologie der ökonomischen "Ungerechtigkeit" unter - von der aus dem Nichts gefallenen "Erkenntnis", das "Wachstum" für jene Länder "schlecht" sei...

Aus Geld muss mehr Geld werden: Gemeint ist Rendite, nicht Geldmenge.
Das steht dort aber nicht und wird so von dieser Neoreligion auch nicht kommuniziert. Diese nutzt gezielt Halb- und Fehlwissen bei ökonomischen Laien aus, um ihnen die "Ungerechtigkeit" der Welt - vor allem aber die "Gerechtigkeit" der eigenen Raubkultur unterschieben zu wollen.

btw: Bereits heute arbeitet jeder Deutsche / Europäer die Hälfte eines jeden seines Arbeitsjahres für das Zwangs-"WIR" - d.h. für den Staat. derlei Neoreligioten und Marxisten geben erst Ruhe, wenn dem Individuum maximal noch der "Zehnt" bleibt (also jene zehn Prozent, die noch im Mittelalter an den Staat abzuführen für Unmut sorgte), aus dem heraus er seine heimliche Nische der Individualität schaffen darf (den Individualität sind mit Individualeigentum untrennbar verbunden) - und dabei dann noch ein schlechtes Gewissen haben soll, weil aus der Reihe der "gemeinsamen Werteidee" tanzend...

Freiheit bedeutet auch, das jeder mit Gleichgesinnten vereinbaren darf, was beide wollen. Wer sich also zu weiteren "Solidargemeinschaften" zusammenschließen will, sei es aus Angst vor Selbstständigkeit oder auch nur eigener Verantwortung, soll das gern tun - aber jene in Ruhe lassen, die für sich andere Werte und Ziele haben...

Erzwungene "Solidarität" ist keine - da fängt die Frechheit ja schon an.

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Re: Marcel Callo Haus: Kapitalismus und dann?

Ungelesener Beitrag von mar » Donnerstag 27. November 2014, 17:05

Ich übernehme deine Definition von Wachstum: Fortentwicklung des Wohlstandes mit unendlichem Bedarf, Zunahme an Technologie, Wissen und Effizienz. Als Wohlstand nehme ich mal Lebensstandard und Komfort an. (Wenn du das anders siehst lass hören. Könnte ja zur Lösung des Problems beitragen.) Wohlstand wäre also so was wie Kommunikation, iPhones, Funk- und Kabelnetze, Mobilität, Autos, Wohnraumfläche, Heizung und Beleuchtung, behagliche Innenarchitektur, leckeres Essen, Bananen, Kaffee, Unterhaltung). Hier sehe ich nicht, wie eine globale Fortentwicklung des Wohlstands ohne zunehmenden Ressourcen- und Energieverbrauch auskommen kann. Und ein Unternehmer, der eine Firma aufmacht, um Patente für Effizienz zu entwickeln, braucht Rechner, Bildschirme, Büromöbel, anfahrten zum Büro, Wasser für die Toilette, Kaffee für die Mitarbeiterküche. Für die Effizienzentwicklung nach Markt-Standards braucht es also eine ganze klassische Industrie mit entsprechendem Ressourcen- und Energieverbrauch. Das heißt: kurz oder mittelfristig wird die Rate des Verbrauchs nicht nennenswert reduziert. Sagt zumindest der steigende Verbrauch in der Vergangenheit.

Energie ist in ihrer Menge (was die Menschen angeht) nicht begrenzt. Okay. Aber sie liegt in unterschiedlichen Formen vor. Die billig zu gewinnende Form der fossilen Energieträger ist begrenzt. Und die Industrie, die wir kennen, war immer eine Industrie der Kohle und später des Öls. Wir haben bisher keine Erfahrung mit einer Wirtschaft, die ohne fossile Energieträger auskommen kann. Firmen haben enormes Sachkapital in Anlagen zur Gewinnung und Verteilung von Öl und Gas stecken. So lange das Öl irgendwie fliest, schneiden sich diese Firmen in's eigene Fleisch, wenn sie in alternative Energien investieren. Ihre folgerichtige Markt-Strategie ist es daher, die Nutzung alternativer Energien zu unterbinden, Start-Ups aufzukaufen und Patente (wenn es die gibt) in der Schublade verschwinden zu lassen; und Regierungen so zu beeinflussen, dass sie auch damit durchkommen. Dazu kommt, dass nicht alle Resourcen monetarisiert sind und dem Nutzer Kosten verursachen. Beispiele: Die Bauern (als große Verbraucher von Öl in Form von Kunstdünger) nutzen unsere Trinkwasservorräte kostenlos zur Ablagerung von Nitrat. Alle Ölverbrenner nutzen die Luft kostenlos für die Ablagerung von Kohlendioxid. Die Kosten werden dem Staat aufgebürdet (erschließen neuer Trinkwasserentnahmestellen, Küstenschutz, Import von Nahrungsmitteln in Dürregebiete). Willst du da jetzt ernsthaft vorschlagen, die kommunale Daseinsversorge in Sachen Trinkwasser und die Atmospäre in Privateigentum zu überfúhren?

Die Frage ist nicht, ob wir in der Lage sind, Methoden zu entwickeln unbegrenzte (Sonnen-)Energie in ausreichender Menge zu konvertieren. Die Frage ist lediglich, ob wir es rechtzeitig schaffen; nämlich bevor unsere Wirtschaft bei knapper werdenden fossilen Energieträgern kollabiert. Und da komplexe, nichtlineare Systeme nicht so einfach und glatt laufen, wie du das ausmalst, kann das in einem schnellen Umbruch passieren, der dem Martk keine Zeit mehr lässt noch irgendwas zu regeln. Nach einem Börsencrach wissen immer alle genau woran es lag. Vorher hat keiner was geahnt. Was du machst ist nichts anderes, als eine verdammt risikoreiche Wette darauf einzugehen, dass der Markt das trotzdem alles schon rechtzeitig richten wird. Dummerweise ist es nicht nur dein eigenes Risiko. Wir sitzen hier alle gemeinsamen auf diesem Planeten fest. Eine unfreiwillige Solidargemeinschaft von Affen, die sich gegenseitig mit Scheiße beschmeissen. :)

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Re: Marcel Callo Haus: Kapitalismus und dann?

Ungelesener Beitrag von mar » Freitag 28. November 2014, 04:04

p. s. Hier noch ein nettes, aktuelles Beispiel, dass kreative Ideen zur Effizienzsteigerung nicht aus der gewinnorientierten Dynamik eines freien Markts entspringen, sondern aus staatlichen Einrichtungen, die kreativen Köpfen die Freiheit einräumen, zu erforschen, was ihnen Spass macht. Im Paper steht nichts von Grant, ist also wohl aus dem Uni-Etat. Gravierender Eingriff in die freien Kräfte des Marktes! Wilder Staats-Marxismus! Letztlich wäre aber selbst eine Jackie-Chan-optimierte Solarzelle nur eine heiße Fläche für den einsamen Tropfen. Oder so.

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Re: Marcel Callo Haus: Kapitalismus und dann?

Ungelesener Beitrag von niels » Mittwoch 24. Dezember 2014, 16:50

p. s. Hier noch ein nettes, aktuelles Beispiel, dass kreative Ideen zur Effizienzsteigerung nicht aus der gewinnorientierten Dynamik eines freien Markts entspringen, sondern aus staatlichen Einrichtungen, die kreativen Köpfen die Freiheit einräumen, zu erforschen, was ihnen Spass macht.
"Natürlich",

und fette Preise und Anschlußförderungen sind natürlich auch wieder garantiert...

Übrigens wurde das größte, freiheitliche / staatsferne Ökosystem - die Open Source Software wie auch das breit verfügbare Internet - nahezu komplett von staatlichen, marktfernen Entitäten geschaffen - während Regierungen in dieser Zeit vor allem "den einfachen Bürger" vor der bösen Freiheit mittels Regulierung und Einflussnahme (natürlich "guter") zu schützen suchte. Und die Menschen sind echt einmal mehr so dumm das mit sich machen zu lassen...

Und auch den Rest der Freiheit des heutigen Internets (was nicht nur im abstraktesten Sinne seiner [potentiellen] "Anwender" bedeutet) haben wir ebenjenem Fakt zu verdanken.

Ich wünsche JEDEM, der sowas faselt, die Bundespost wie die guten alten VEBs zurück (die Bundesbahn ist ja bis heute staatliches Quasimonopol (und die Telekom wie Post immer noch nicht weit weg), die noch "für das Volk" und nicht den "pösen Kapitalisten" produzierten. Staatswirtschaft ist der Versuch, Verantwortung von Macht zu trennen - was einem Versuch gleicht ein perpetuum mobile zu bauen, was auf dem Papier / in der Idee auch völlig "logisch" erscheint, sofern man selbst nur grob hinschaut oder hinschauen kann. Eines funktioniert aber nicht ohne das andere, wie auch die Geschichte immer wieder zeigte.

Der Wiedergänger der angeblich besseren Staatswirtschaft hat ja einmal mehr große Mode in Deutschland. Gestern Abend durfte ich mir dann noch die heiße Luft eines "Ökonomie-Professors der TU Berlin" reinziehen, der im Reichsfunk allen Ernstes (und reichspropagandakonform) behauptete, das der Sklavenhandel im Mittelalter (zwischen Europa und Südamerika) ein "Beweis dafür" sei, das "Menschenrechte in freien" (staatlich nicht gegängelten) "Märkten zurückstehen" würden - passt ja auch zu gut in die Logik eines Sesselfurzes, der von freien Märkten soviel Ahnung hat wie die Mehrheit der Menschen vom Mond, von dem sie immer nur eine Seite gesehen haben.

Dabei wurde in der selben Dokumentation "erwähnt", das der Sklavenhandel nicht nur durch die Regierungen Englands erlaubt, sondern durch (regierungs-)Verträge mit der Regierung südamerikanischer Staaten wie Brasilien im Detail vereinbart wurde. Es war nämlich keinesfalls das allgemeine "Recht" beliebige andere Menschen gegen ihren Willen zu behandeln.

Für den schlechten Geist erklärt: Der Staat / die Regierung erklärt einen Teil von Menschen für "Nichtmenschen" oder nimmt ihnen einen Teil ihrer Rechte (die er anderen weiterhin garantiert) um sich über die Steuereinnahmen seiner Handlanger Einnahmen und die Entrechtung ganzer Völker Machtausbau zu verschaffen.

"Freiheit" bedeutet nicht "Rechtlosigkeit", sondern konsequente Gleichstellung ALLER (!) Bürger vor dem Gesetz / Recht wie der Anerkennung des Individuums - freie Märkte funktionieren da nicht anders als jedwede anderen Formen der Freiheit. Das "Recht des Stärkeren" - was heute gern in dem Kontext postuliert wird - war nie Darwins "Erkenntnis" ("Survival of the fittest" bedeutet ja "Überleben des am weitesten Anpassten"), wurde allerdings von mehreren Regierungen als "Handlungsprinzip" bei der Eroberung von Kolonien oder der "Schlichtung" von Interessenkollisionen ausgerufen (und als (Entrechtungsprinzip auch angewendet).

Das einzige Problem freier Märkte ist die Gefahr der Einflussnahme von Staaten / Regierungen in ebenjene Freiheit - zugunsten für dessen Existenz und Machterhalt wichtiger Gruppen oder Einzelner, aber gegen den Rest. Russland wie China liefern übrigens prächtige Beispiele dafür, wie aus Sozialismus Imperialismus erwächst - im Gegensatz zu freiheitlichen Gesellschaftsordnungen, denen Sozialisten dies immer wieder unterstellten (wie -stellen).

Aber btw:
Bis heute gibt es KEINE wirtschaftliche (d.h. nicht zuletzt energieeffiziente) photovoltaische Solarzelle, die effektiv mehr als 25% aus der verfügbaren Sonnenenergie holt (von unwirtschaftlichen Laborspielereien mal abgesehen). Dabei sind in DE zig Milliarden Steuergelder vom Staat gerade für einen "Quantensprung" in der technologischen Weiterentwicklung von Photovoltaik ausgegeben worden, denn für "die Umwelt" konnte man es bisher nur der dummen Masse verkaufen - waren bisherige Photovoltaikzellen in Deutschland derart unwirtschaftlich zu betreiben, das die Energie für die Erzeugung/Herstellung eines solchen Moduls gerade mal über dessen mittlere Lebensdauer wieder herauszuholen war - ergo: man hat den Dreck einfach aus dem Land bugsiert, indem man die "dreckigen" Produktionsprozesse in Ländern abwickeln ließ, die das nicht interessierte.

Dumbe, wie Politiker nun mal sind - vor allem die Bessermenschen unter ihnen - braucht man ja nur mal eben zig Millionen (oder Milliarden) in die Forschung investieren und schon findet irgend ein staatlich sesselpupsender Physikprofessor echtes physikalisches Grundlagenwissen, das echte Lösungen der Aufgabenstellung bedingt. Die Naivität ist nachvollziehbar - ist ja jeder Regierungspolitiker auch kein Fachmann für das,w as er meint entscheiden zu können. Darum geht es ja auch nicht, sondern darum, das er wiedergewählt wird und sein nettes Gehalt bezieht und/oder seine einflussreiche Position behält, die er auf freien Märkten schon mangels Kompetenz nie bekommen hätte.

Dabei gab und gibt es bereits Systeme zur Nutzung von Sonnenenergie, die wesentlich wirtschaftlicher - d.h. auch wesentlich umweltfreundlicher, da Umweltverschmutzung Geld kostet, solange diese ein Staat nicht auf seine Kappe nimmt - allerdings weniger "modern" und "cool" aussehend.

Die Photovoltaikförderung war somit nur EIN Beispiel von vielen, wie man Milliarden nicht nur komplett am Ziel vorbei ausgeben, sondern sich damit auch noch erfolgreich des besseren Wirtschaftens brüsten und Wähler damit fangen kann. Und wieviele Deutsche glauben diesen Hokuspokus bis heute?...

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Re: Marcel Callo Haus: Kapitalismus und dann?

Ungelesener Beitrag von mar » Mittwoch 24. Dezember 2014, 18:04

Hi, niels. Ich sehe da einen Unterschied zwischen einer zentralen Verwaltungswirtschaft (die du schilderst) und dem staatlichen Rechtsrahmen, den der Markt nicht selber herstellen kann und auf den er angewiesen ist. Die staatlich garantierte Rechtsform der GmbH und ähnliche Körperschaften erlauben z. B. den Unternehmern, sich ihrer Verantwortung zu entziehen, wenn sie etwas verbockt haben. Wenn Du es mit der Verantwortung der Unternehmer ernst meinst, dann könnten wir diese staatlichen Garantien ja mal abschaffen und dafür sorgen, dass der Markt jeden Unternehmer und Aktieneigner bis zur letzten Socke und Unterhose zur Verantwortung zieht.

Ich stimme dir zu, dass die Höhe von Forschungsförderung wenig mit der Qualität des möglichen Outputs zu tun hat. Ich fand mein Beispiel interessant, weil es vor allem auf einer kreativen Idee beruht, während die Kosten wahrscheinlich minimal waren. Auf die Gefahr mich zu wiederholen: Solche Ideen treten vor allem dann auf, wenn Forscher frei spielen können und keinen Zwängen ausgesetzt sind, wie z. B. möglichst bald eine Lösung zu finden, die Rendite bringt. Ich bin zu faul Deine Zahlen zum Volumen der staatlichen Photovoltaik-Förderung nachzuprüfen. Allerdings hat die DFG (der grösste staatliche Drittmittelgeber in Deutschland) 2013 nur ein Gesamtetat von 2,69 Milliarden Euro für allle Forschungsbereiche einschließlich Geisteswissenschaften. Im übrigen siehe meine Kritik am Wissenschaftbetrieb im Thema "Wenn Hacktivisten wie Mönche leben".

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