Colonia Dignidad - Es gibt kein Zurück

Diskussionen rund um Glaubensfragen

Moderatoren: niels, Kirche und Religionen

Forumsregeln
Glaube und Religion im Eichsfeld Wiki:
Religion im Eichsfeld
Kategorie: Religion im Eichsfeld
Kirchen im Eichsfeld
Christel
Senior- Mitglied
Beiträge: 3007
Registriert: Montag 22. Mai 2006, 19:55
PLZ: 99734

Colonia Dignidad - Es gibt kein Zurück

Ungelesener Beitrag von Christel » Samstag 30. Januar 2016, 15:16

"Colonia Dignidad - Es gibt kein Zurück" der Film startet ab 18.Februar 2016 im Kino
Inmitten des chilenischen Militärputsches des Jahres 1973 werden Lena (Emma Watson) und ihr Freund Daniel (Daniel Brühl) von Augusto Pinochets Geheimpolizei festgenommen. Während Lena nach kurzer Zeit wieder laufen gelassen wird, wird Daniel in die abgeschottete Colonia Dignidad im Süden des Landes gebracht. Die vom zwielichtigen Prediger Paul Schäfer (Michael Nyqvist) geführte Siedlung soll nach außen den Anschein einer makellosen und wohltätigen Zwecken dienenden Gemeinde erwecken, doch in Wahrheit arbeiten die Verantwortlichen mit Diktator Pinochet zusammen, für den sie die Eingesperrten unter Zuhilfenahme grausamer Foltermethoden verhören und schließlich töten. Niemand hat den Ort jemals lebend verlassen. Voller Verzweiflung schließt sich Lena der fragwürdigen Gruppierung an, um Daniel zu finden und gemeinsam mit ihm zu fliehen...
http://www.filmstarts.de/kritiken/231836.html

Wir hatten die deutsche Sekte in Chile mit dem Namen "Colonia Dignidad" in diesem Forum schon früher erwähnt und zwar in diesem Zusemmenhang:
Ein Teil der Bewohner siedelte nach Deutschland über und bewegt sich nach Berichten der Süddeutschen Zeitung teilweise im Umfeld der Krefelder Freien Volksmission.[18]
https://de.wikipedia.org/wiki/Colonia_Dignidad
Das "Deutschlandradio Kultur" berichtete im Beitrag Traumata vom 24.05.2014 unter dem Titel "Das Leben nach der Sekte" u.a.:

Hartmut Hopp war nicht nur der Arzt der Sekte. Er gehörte auch zum Führungskreis um Schäfer, sagt der Menschenrechtler Dieter Maier. 2006 wurde Hartmut Hopp in Chile zu fünf Jahren Haft verurteilt.

"Er wurde verurteilt wegen Beihilfe zum sexuellen Missbrauch, es hängen aber weitere Verfahren in Chile an, so dass er mehr als diese fünf Jahre, die er schon hat, bekommen könnte."

Doch Hopp setzte sich vor der Inhaftierung ab und floh nach Krefeld. Von der Bundesrepublik wird er als deutscher Staatsbürger nicht nach Chile ausgeliefert. So lebt er nun unbehelligt am Niederrhein und besucht dort die Gottesdienste des Predigers Ewald Frank. Ein Mann mit besten Kontakten zur ehemaligen Colonia Dignidad, wie Dieter Maier berichtet.

"Nachdem Schäfer nicht mehr da war, tauchte ein neuer Prediger auf namens Ewald Frank aus Krefeld, und hat seine spirituelle Nachfolge angetreten, Massentaufen veranstaltet, Leute in Deutschland empfangen, die aus der Kolonie kamen, und dieser Mann vertritt ebenfalls eine sehr fundamentalistisch christliche Linie, hat keine theologische Ausbildung, hat aber ein kirchliches Zentrum in Zürich und ein weiteres in Krefeld, das ist die Zentrale."

Wie Hartmut Hopp gehen viele der zurückgekehrten, ehemaligen Sektenmitglieder zur Volksmission nach Krefeld. So auch Heinz und Irmgard Wagner. Sie gehören zu jenen, die der ehemaligen Führung der Colonia Dignidad vergeben haben.
Mehr:
http://www.deutschlandradiokultur.de/tr ... _id=287257

Benutzeravatar
Atheisius
Senior- Mitglied
Beiträge: 837
Registriert: Donnerstag 24. September 2015, 16:40
PLZ: 11111

Re: Colonia Dignidad - Es gibt kein Zurück

Ungelesener Beitrag von Atheisius » Sonntag 31. Januar 2016, 12:52

Die Colonia Dignidad ist wohl ein beredtes Beispiel dafür, wohin die Religiotie einer christlichen Sekte führen kann.

Christel
Senior- Mitglied
Beiträge: 3007
Registriert: Montag 22. Mai 2006, 19:55
PLZ: 99734

Re: Colonia Dignidad - Es gibt kein Zurück

Ungelesener Beitrag von Christel » Montag 1. Februar 2016, 18:01

Ich kann die „Colonia Dignidad“ auch nicht leiden!

1) Was ist an der „Colonia Dignidad“ christlich? In der Kolonie sehe ich eine faschistoide Sekte.
2) Was ist an der von Ewald Frank gegründeten „Freien Volksmission“ christlich?

Weder von den Lehren, noch vom eigenen Selbstverständnis her gehören sie zur ökumenischen Gemeinschaft christlicher Kirchen.
https://www.oikoumene.org/de
http://www.oekumene-ack.de/ueber-uns/mitglieder/

Der Begriff „christlich“ ist natürlich nicht geschützt. Nennen kann sich so jeder unabhängig vom Inhalt.

Christel
Senior- Mitglied
Beiträge: 3007
Registriert: Montag 22. Mai 2006, 19:55
PLZ: 99734

Re: Colonia Dignidad - Es gibt kein Zurück

Ungelesener Beitrag von Christel » Sonntag 14. Februar 2016, 20:07

Colonia Dignidad: Staatsanwaltschaft will gegen Sektenarzt vorgehen

Ein früherer Arzt der Sekte Colonia Dignidad wurde in Chile zu Haft verurteilt - und lebt als freier Mann in Deutschland. Die Krefelder Staatsanwalt wird nach SPIEGEL-Informationen beantragen, das Urteil zu vollstrecken.

Er lebt in einem unscheinbaren Haus in der Innenstadt von Krefeld, vier Parteien, ein gemeinsamer Briefkasten, Hartmut Hopp wohnt oben. Er öffnet nicht die Tür, mit Journalisten möchte der ehemalige Arzt der Sekte Colonia Dignidad nicht sprechen. Zumindest nicht, solange die Staatsanwaltschaft Krefeld gegen ihn ermittelt - wegen Beihilfe zum sexuellen Missbrauch von Kindern, wegen der missbräuchlichen Vergabe von Medikamenten und wegen der Beteiligung am Mord dreier politischer Gefangenen unter Diktator Agosto Pinochet.

...

Das Verfahren wird wohl viele Monate dauern. Solange bleibt Hartmut Hopp ein freier Mann.
Mehr:
http://www.spiegel.de/panorama/justiz/c ... picks=true

Christel
Senior- Mitglied
Beiträge: 3007
Registriert: Montag 22. Mai 2006, 19:55
PLZ: 99734

Re: Colonia Dignidad - Es gibt kein Zurück

Ungelesener Beitrag von Christel » Montag 21. August 2017, 20:43

Urteil gegen Hartmut Hopp

Früherer Arzt der Colonia Dignidad muss in Deutschland in Haft
Die Strafe gegen den ehemaligen Arzt der Colonia Dignidad kann in Deutschland vollstreckt werden - das hat das Landgericht Krefeld entschieden. Hartmut Hopp muss sich wegen Beihilfe zum sexuellen Missbrauch verantworten.


Von Martin Knobbe

Die Jungen wurden vergewaltigt, die Mädchen geschlagen, Gegner des chilenischen Diktators Augusto Pinochet wurden gefoltert und getötet: Das Gelände der deutschen Sektensiedlung Colonia Dignidad war ein Ort brutaler Verbrechen. 2005 war der Gründer der Sekte, Paul Schäfer, in Argentinien festgenommen worden, 2010 starb er im Gefängnis. Andere Führungsmitglieder verurteilten chilenische Richter in den vergangenen Jahren zu langen Freiheitsstrafen.

Nun hat auch das Landgericht Krefeld den Weg für eine Bestrafung eines der Täter bereitet: Es entschied, dass eine in Chile verhängte Freiheitsstrafe gegen den langjährigen Sektenarzt Hartmut Hopp in Deutschland vollstreckt werden kann. Hopp war bereits im November 2004 in Chile wegen Beihilfe zu sexuellem Missbrauch und Vergewaltigung in mehreren Fällen zu fünf Jahren und einem Tag Gefängnis verurteilt worden. Im Januar 2013 hatte der Oberste Gerichtshof in Santiago de Chile das Urteil bestätigt. Da aber lebte Hopp mit seiner Frau Er hatte sich dem Gefängnis 2011 durch eine schnelle Flucht entzogen.Dorothea, einst Krankenschwester der Siedlung, schon längst unbehelligt in Krefeld.

Die Zweite Große Strafkammer des Krefelder Landgerichts hatte fast ein Jahr lang geprüft, ob die chilenischen Urteile aus einem nach europäischen Gesichtspunkten fairen Verfahren entstanden sind. "Die Kammer hat dies bejaht", teilte das Gericht nun mit. Die Entscheidung ist allerdings nicht rechtskräftig.

Hopps Strafverteidiger Helfried Roubi¿ek kündigte an, gegen die Entscheidung Rechtsmittel einzulegen.

Mehr: http://www.spiegel.de/panorama/justiz/h ... 62835.html

Benutzeravatar
niels
Site Admin
Beiträge: 2247
Registriert: Freitag 22. März 2002, 16:15
PLZ: 37075
voller Name: Niels Dettenbach
Wohnort: Göttingen
Kontaktdaten:

Re: Colonia Dignidad - Es gibt kein Zurück

Ungelesener Beitrag von niels » Mittwoch 23. August 2017, 12:02

Ich halte die offensichtliche, statistische Häufung von sexuellem Mißbrauch binnen den meisten religiösen Gruppierungen - insbesondere an Kindern - symptomatisch.

Selbst meine Mutter wurde vom Dorfpfaffen als junge Jugendliche in sein Büro bestellt, wo er ihren "Entwicklungsstand" anhand ihrer nackten Brüste begutachten wollte (freilich bloß "aus seelsorgerischen Gründen"). Und freilich wollte niemand im Ort - ja nicht mal ihre eigenen Eltern - davon etwas hören "...so was macht doch..." der (liebe quasi-heilige) "...Herr Pfarrer nicht...".

Ich denke, das das anerzogene Wegschauen bei dem eigenen Glauben widerstrebenden Erfahrungen wie die ebenfalls gezielt anerzogene Überhöhung der Priesterkasten wie ihrer Mitglieder und nicht zuletzt ein oft bigotter Umgang mit Sexualität besten Boden für jeden Mißbrauchstäter liefern. Frei nach dem Motto: Wenn es der Pfarrer tut, dann kann es keine "Sünde" sein...

Christel
Senior- Mitglied
Beiträge: 3007
Registriert: Montag 22. Mai 2006, 19:55
PLZ: 99734

Re: Colonia Dignidad - Es gibt kein Zurück

Ungelesener Beitrag von Christel » Mittwoch 23. August 2017, 23:27

Hallo Niels,
schön von Dir mal wieder zu lesen!

Ich verbinde das Problem des Kindesmissbrauchs nicht mit Inhalten, sondern mit Strukturen, die dies ermöglichen.

Es gibt innerhalb der Bevölkerung einen gewissen Prozentsatz pädophil veranlagter Menschen. Das heißt, dieses Problem lässt sich nie ganz lösen.


Die gute Nachricht heißt:
Nicht jeder pädophil veranlagter Mensch lebt das aus.

Die schlechte Nachricht heißt:
Ein Teil von ihnen schon.

Das ist abhängig von der jeweiligen Persönlichkeit und von äußeren Bedingungen, wie Gelegenheit, Macht, Akzeptanz dieses Verhaltens.
Wird es nicht akzeptiert, werden bereits Kinder aufgeklärt, wird es verflogt, muss der Täter mit Strafe rechnen… all das wirkt dagegen.

Es gab in Deutschland eine
Pädophilenpropaganda 1960 - 1985
Eigentlich hätten die Sexualwissenschaften früh wissen können, dass die Pädophilenpropaganda vom angeblich „gewaltlosen“ und freiwilligen Sex mit Kindern falsch war.
http://www.humanistische-union.de/theme ... -parteien/
In den vergangenen Monaten wurde lebhaft über frühere pädophile Forderungen aus den Reihen der Grünen (und mit etwas Abstand auch der FDP) debattiert. In der Kritik stand vor allem die teilweise geforderte Freigabe sexueller Kontakte von Erwachsenen mit Kindern. Derartige Forderungen tauchten in den 1970er/1980er Jahren in zahlreichen Bewegungen und Organisationen auf – nicht zuletzt auch in der Humanistischen Union, die sich seit längerem und immer wieder mit entsprechenden Vorwürfen auseinandersetzen musste, sie habe einst Pädophilie verharmlost.
http://www.humanistische-union.de/theme ... -parteien/
Das war ein Klima, welches Missbrauch begünstigte.

In der Odenwaldschule herrschte ein Klima und herrschten Strukturen, die Missbrauch begrünstigten.
Die Schule befand sich in freier Trägerschaft und galt lange als Vorzeigeinternat der Reformpädagogik.
Öffentliche Aufmerksamkeit erlangte die Odenwaldschule insbesondere, seit Ende der 1990er-Jahre jahrzehntelanger systematischer sexueller Missbrauch durch verschiedene Lehrkräfte und den Schulleiter Gerold Becker an Schülern bekannt wurde.
https://de.wikipedia.org/wiki/Odenwaldschule
Im Christentum ist sexueller Missbrauch verboten! Das ist Sünde! Leben die Mitglieder, auch die Priester danach, dürfte so etwas eigentlich nicht vorkommen.

Allerdings wie gesagt, es gibt die sexuelle Begierde, Einflüsse von außen… und es gibt Strukturen, die das Begünstigen. Wenn man glaubt, dass „Hochwürden“ das nicht tut, er sich darauf verlassen kann, dass er nicht auffliegt, dann begünstigt dies die Tat.

Abgeschottete Organisationen, wie damals die „Colonia Dignidad“ sind Extremfälle. Da gab eine kleine Führungsklicke, denen alles erlaubt war. Zwar von der Theorie, dem Christentum her nicht, in der Praxis aber doch:
Paul Schäfer (* 4. Dezember 1921 in Bonn; † 24. April 2010 in Santiago de Chile) war der Gründer der christlichen Sekte und totalitären religiösen Gemeinschaft[1] Colonia Dignidad in Chile. Am 24. Mai 2006 wurde Schäfer von einem chilenischen Gericht des Missbrauchs von Kindern in 25 Fällen für schuldig befunden und zu einer Haftstrafe von 20 Jahren und Zahlungen von insgesamt 770 Millionen Pesos(über 1 Mio. Euro) an elf Jugendliche verurteilt.
...
Als sich die Gerüchte mehrten, dass Schäfer ihm anvertraute Kinder und Jugendliche misshandle und sexuell missbrauche, erfolgte um 1949/50 seine diskrete Entlassung aus dem kirchlichen Dienst, so dass es zu keinem gerichtlichen Strafverfahren kam.[5]
Paul Schäfer machte sich nach seiner Entlassung als Laienprediger selbstständig.
...
In wenigen Jahren entstand durch ständige Zwangsarbeit ein – von Medien als Mustergut bezeichneter – landwirtschaftlicher Großbetrieb mit einer umzäunten Fläche von ca. 15.000 Hektar. Schäfer ließ seine Sektenmitglieder Straßen und Brücken bauen und Bergwerke zum Abbau von Gold, Uran und Titananlegen. Als Aushängeschild der Kolonie galt das Krankenhaus, in dem die arme Bevölkerung des Umlandes kostenlos behandelt wurde.
...
Ermittlungen der deutschen Justiz
In den 1980er und 1990er Jahren wurden in Deutschland drei Ermittlungsverfahren gegen Paul Schäfer und weitere Angehörige der Colonia Dignidad eingeleitet. Diese Ermittlungen führten aber weder zu einem Prozess noch zu einem Haftbefehl gegen Schäfer.
...
Mehr: https://de.wikipedia.org/wiki/Paul_Sch% ... _Dignidad)

Es ist alles bekannt, seit Jahrzehnten.
Weshalb ist unsere Justiz so "zahnlos"?

Provokativ gefragt, darf man Kinder im Ausland ungestraft missbrauchen?
Was ist mit dem Sextourismus?
Beispiel:
Kinderprostitution in Thailand – Ursachen und Strafen
Kinderprostitution ist wohl die schlimmste Entwicklung der sexuellen Ausbeutung, nicht nur in Thailand, sondern in allen Ländern. Die höchsten Zahlen von Kinderprostituierten finden sich in Asien, hauptsächlich in Thailand und Indien. Da bei Kindern die Ansteckungsgefahr durch AIDS als wesentlich geringer betrachtet wird, ist in den letzten Jahren ein drastischer Anstieg der "Nachfrage" nach minderjährigen Mädchen und Jungen zu verzeichnen.
Durch die zunehmende Verarmung eines großen Teils der hauptsächlich ländlichen Bevölkerung Thailands und den Nachbarstaaten, nimmt der Handel mit jungen Mädchen und Jungen immer schlimmere Ausmaße an. Dieser organisierte Menschenhandel wird von Mafia-ähnlichen Schlepperbanden durchgeführt, die systematisch die ärmeren Regionen Indochinas bereisen, um Ausschau nach in Frage kommenden Kindern zu halten, die dann den Eltern unter falschen Versprechungen abgekauft werden.
Oftmals werden Kinder über lange Zeiträume gefangen gehalten und müssen täglich zehn, zwanzig oder noch mehr Männer "befriedigen".
Eine große Bedeutung für diese Kinderprostitution hat der Sextourismus aus Japan und den westlichen Industrienationen. http://www.kohchangvr.de/thailandsprost ... ilands.htm
Wir haben Strukturen, die es erlauben Kindesmissbrauch ungestraft auszuleben. :cry:

Antworten

Wer ist online?

Mitglieder in diesem Forum: 0 Mitglieder und 71 Gäste