"50 Jahre 2. Vatikanum- Was bleibt?"

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Heinrich5

Re: "50 Jahre 2. Vatikanum- Was bleibt?"

Ungelesener Beitrag von Heinrich5 » Freitag 5. Oktober 2012, 10:18

Zitat Christel:
Religion ist Rückbindung an Gott, folglich muss (ein) Gott in einer Religion eine zentrale Rolle spielen. – Von dieser Position aus kann ich zu Recht bestreiten, dass Scientology eine Religion ist.

Dann können wir uns ja auch darauf einigen, dass der Atheismus keine Religion ist, wie fälschlich hier im Forum behauptet.

Christel
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Re: "50 Jahre 2. Vatikanum- Was bleibt?"

Ungelesener Beitrag von Christel » Freitag 5. Oktober 2012, 18:38

Unter der Bedingung, dass wir immer die enge Definition für Religion verwenden. Ich bin dafür, denn das schafft Klarheit.

Das bedeutet, Religion wird am Inhalt festgemacht, nicht an der Form.
Daraus folgt, politische Ideologien wie Faschismus und Stalinismus sind keine Religionen.
Scientology ist keine Religion.
Atheismus ist keine Religion.

Ich bin damit einverstanden, erwarte jedoch, dass Du mit mir gemeinsam protestierst, falls Niels mal wieder alles in einem Topf wirft und Faschismus, Stalinismus und Christentum unter dem Oberbegriff Religion zusammenfasst.

Wir haben hier Indoktrination diskutiert, die sich der Manipulation von Menschen durch eine gesteuerte Auswahl von Informationen bedient. Hierzu kann man auch die Auswahl von Oberbegriffen verwenden:
Oberbegriffe suggerieren Gleichheit und verwischen die Unterschiede. Diese Unterschiede ermöglichen es jedoch eine „Sache“ auch unter einem ganz anderen Oberbegriff zusammen zu fassen.
Ich denke, das hast Du sehr gut verstanden, auch ohne diese Ausführung.

FG Christel
„Ich glaube, dass auch unsere Fehler und Irrtümer nicht vergeblich sind, und dass es Gott nicht schwerer ist mit ihnen fertig zu werden, als mit unseren vermeintlichen Guttaten.“ Dietrich Bonhoeffer (Widerstand und Ergebung)

Heinrich5

Re: "50 Jahre 2. Vatikanum- Was bleibt?"

Ungelesener Beitrag von Heinrich5 » Freitag 5. Oktober 2012, 20:12

Faschismus und Stalinismus erfüllen zwar alle Voraussetzungen für eine „politische“ Religion ich bin aber dafür, dass sie mit Religionen, bei denen eine Rückbindung an einen Gott (oder mehrere Götter) eine zentrale Rolle spielen nicht verglichen werden sollten. Auch wenn die Führer Hitler und Stalin sich wie Götter aufgeführt haben und auch als solche verherrlicht wurden und ja auch einiges in ihrer Ideologie aus dem Christentum entlehnt haben. Siehe den Link zu Wikipedia.
Der Begriff Politische Religion ist ein interdisziplinär verwendetes Analyseinstrument, mit dem insbesondere die Funktionsweise, die Entstehung und das Erscheinungsbild totalitärer Herrschaftssysteme erklärt werden sollen.
http://de.wikipedia.org/wiki/Politische_Religion

Christel
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Re: "50 Jahre 2. Vatikanum- Was bleibt?"

Ungelesener Beitrag von Christel » Freitag 5. Oktober 2012, 22:02

Ich stimme Dir zu, Heinrich.

Wenn es danach geht, wo etwas entlehnt wurde, dann könnte man Nationalsozialismus und Stalinismus auch mit Wissenschaft, Biologie, Evolutionstheorie auf eine Stufe stellen. Beim Nationalsozialismus müsste man noch Esoterik hinzufügen. – Ich denke, der Erfolg der Führer Hitler und Stalin hing nicht unwesentlich damit zusammen, dass die perfekt den allgemeinen Zeitgeist wiedergeben konnten. Dies ermöglichte es vielen Menschen sich mit ihnen zu identifizieren.

An der Oberfläche ist alles gleich. Je mehr man über ein Gebiet weiß, je tiefer man in eine Materie einsteigt, je mehr Unterschiede kann man erkennen.
Ein Mensch, dem alles gleich ist, der wird auch schnell bereit zu wechseln. Je fester jemand irgendwo verwurzelt ist, je weniger schnell wird er wechseln.

Ich will damit sagen, werden totalitäre Herrschaftssysteme wie Nationalsozialismus und Stalinismus auf eine Ebene mit Religion gestellt, dann wiegt das Menschen, die sich als nichtreligiös verstehen in eine unberechtigte Sicherheit. Ähnlich wie beim Begriff „Sekte“, der vielfach mit Religion gleichgesetzt wird. Bei einer Sekte, kann es sich um eine religiöse Gruppe, muss es aber nicht. Auch hier wiegen sich „nichtreligiöse“ Menschen in eine unberechtigte Sicherheit.

Menschen, wie der oben erwähnte Dietrich Bonhoeffer, erkannten frühzeitig, wer Hitler war. Es gab den Pfarrernotbund, die Bekennende Kirche und einen Widerstand. – Viele erkannten es auch und versuchten einfach nur durchzukommen. – Aber es gab auch die Blinden und die „Deutschen Christen“. Menschen ohne ausreichend differenzierendes Denkvermögen, die nicht mal merken, wenn sie den Herrn gewechselt haben bzw. Menschen, denen das egal ist.
„Ich glaube, dass auch unsere Fehler und Irrtümer nicht vergeblich sind, und dass es Gott nicht schwerer ist mit ihnen fertig zu werden, als mit unseren vermeintlichen Guttaten.“ Dietrich Bonhoeffer (Widerstand und Ergebung)

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