Entweltlichung - Die Antwort der Christen...

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Entweltlichung - Die Antwort der Christen...

Ungelesener Beitrag von niels » Montag 23. April 2012, 17:08

...auf die Krise in Europa!

veröffentlicht im Auftrag des Verfassers

Do. 26. April 2012 /**/MCH 19.30h

"Die aktuelle Krise Europas sei vor allem eine Krise der Werte", so der
scheidende Präsident des Europaparlaments Jerzy Busek Ende 2011. Und er
fügte hinzu, nur ein entschiedenes Auftreten der Christen im
öffentlichen Leben werde zur Überwindung der drohenden Gefahren
beitragen. Papst Benedikt XVI. hat bei seinem Besuch in Deutschland von
der Ortskirche ein Stück /Entweltlichung/verlangt. Was bedeutet diese
Aussage genau? Ist das der Weg für eine neue Präsenz des Christentums in
Europa?
Welche Konsequenzen hat das für die Einrichtungen der Kirche, die in
diese Welt hineinwirken wollen?

19.30h

Marcel Callo Haus

Lindenallee 21
37 308 Heilbad Heiligenstadt

Referenten:
Pater F. Menke, Paterkloster Heiligenstadt,
Ordinariatsrat Winfried Weinrich, Katholisches Büro Erfurt, Dr. Hubert
Wissing, Generalsekretariat ZDK. Leiter AG Kirche und Gesellschaft /*

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Re: Entweltlichung - Die Antwort der Christen...

Ungelesener Beitrag von niels » Montag 23. April 2012, 17:25

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Welche Konsequenzen hat das für die Einrichtungen der Kirche, die in
diese Welt hineinwirken wollen?
Ehrlicher- wie konsequenterweise bedeutet dies die Umsetzung der längst überfälligen Trennung von Staat und Religion - also auch Kirche.

Die Kirche muss überlegen, ob sie sich für als sozialer Dienstleister am Staat verdingen oder die Einrichtungen zu missionarischen Zwecken betreiben will. Beides zusammen - wie es fast immer Realität in solchen Eirnichtungen ist - widerspricht dem Neutralitätsgebot.

Nur ein Beispiel:
Ein z.B. staatlich finanzierter katholischer Kindergarten, zu dem es keine Alternative für Nichtkatholiken gibt, ist schlichtweg inakzeptabel in einer Welt, in der längst nicht mehr über 90 % gläubige Katholiken oder Christen sind.

noch eines:
Die Forderung des eichsfelder Landrates zur Umwandlung des Worbiser Gymnasiums in ein ebenfalls christliches ist inakzeptabel, insbesondere wenn er sagt, das es "ihm" wichtig sei, das der eichsfelder Jugend wieder eine vermehrt christliche Erziehung beigebracht werden sollte. Offensichtlich ist ihm das Neutralitätsgebot des Staates ebenso fremd wie die Tatsache, das selbst das Eichsfeld lange nicht mehr aus über 90% gläubigen Katholiken besteht.

Ein weiteres:
Religionsunterricht in Form religiöser Unterweisung hat in staatlichen Schulen ebensowenig zu suchen (nur zur Klarstellung - ich spreche hier nicht von einer neutralen Abhandlung der Thematik Religion, wie sie von manchen ja gern vorgegaukelt wird) wie Kruzifixe als Zeichen eines Glaubensbekenntnisses, denn eine staatliche Schule hat - als öffentliche Einrichtung - ebenbsowenig religiöse Positionen zu beziehen wie andere staatliche Einrichtungen und Institutionen - und schon gar nicht bestimmte Religionen zu fördern, ja gar zu missionieren.

Die Kirchensteuer ist durch einen Mitgliedbeitrag durch Mitglieder zu ersetzen, die die Kirche gern selbst satzungsgemäß titulieren kann - und vor allem von den Finanzämtern zu trennen.

Wie diese Entflechtung der Kirche vom Staat im Detail aussehen könnte, hat z.B. die FDP schon 1974 in einem Thesenpapier zusammengefasst:
http://www.payer.de/religionskritik/FDP1974.htm

Das Papier heißt nicht umsonst "freie Kirche in einem freien Staat". Eine vom Staat entflechtete Kirche ist freier als eine politische, asäkulare wie wir sie in Deutschland heute haben. Das hat womöglich auch Papst Ratzinger verstanden und gemeint, wenngleich sch deutsche Kirchenvertreter nicht schnell genug beeilen konnten seine Worte umzudeuten ähm, "geradezurücken".


Beste Grüße,


Niels.

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Re: Entweltlichung - Die Antwort der Christen...

Ungelesener Beitrag von Christel » Sonntag 29. April 2012, 16:11

Wir hatten es ja schon öfter diskutiert, nicht religiös, nicht christlich ist nicht neutral.

Katholiken sind Bürger dieses Staates, sie zahlen Steuern und haben daher dieselben Rechte auf staatlich finanzierte Kinderbetreuung wie alle anderen auch. Gibt es keine kath. Kindergärten, dann werden Katholiken gezwungen ihre Kinder in Einrichtungen zu geben, die ihre Kinder nicht katholisch erziehen. Die Forderung, es darf keine staatlich finanzierten kath. Kindergärten geben, führt daher zur Benachteiligung diese Bevölkerungsschicht. Es ist Katholiken in diesem Staat ohnehin nicht möglich ihre Kinder generell in einem kath. Kindergarten zu geben, dafür gibt es zu wenige. So wie mancher Nichtkatholik im Eichsfeld sein Kind möglicherweise in einem kath. Kindergarten geben muss, so sind anderenorts Katholiken gezwungen ihre Kinder in einem nicht kath. Kindergarten unterzubringen. - Es ist eine Frage der Breite des Angebots.

Eine Bevölkerungsgruppe kann nicht aus religiösen oder weltanschaulichen Gründen gezwungen werden ihre Kinderbetreuung selbst zu finanzieren! Solange der Staat für Kinderbetreuung finanziell verantwortlich ist, muss er ohne Ausnahme für die Kinderbetreuung aller seiner Bürger aufkommen, auch für die Katholiken. Die Alternative ist die Privatisierung, dann kommen nicht nur die Katholiken, sondern alle Bürger für die Betreuung ihrer Kinder in voller Höhe selbst auf.
Kinderbetreuung in den USA ...
Erwerbstätige Eltern sind bei der Aufgabe der Kinderbetreuung weitgehend auf sich selbst gestellt, und lediglich hilfsbedürftige Familien erhalten dafür in Form von Sozialleistungen Unterstützung aus öffentlicher Hand. http://www.kas.de/wf/doc/kas_11182-1522 ... 0620211831
niels hat geschrieben:Die Kirche muss überlegen, ob sie sich für als sozialer Dienstleister am Staat verdingen oder die Einrichtungen zu missionarischen Zwecken betreiben will.
Sozialer Dienstleister wird die Kirche immer sein, egal ob mit oder ohne staatliche Bindung. Die Kirche sieht dies als ihren Auftrag von Christus her. Es ist Teil ihrer Identität. Daher kann ich mir bei einer Übernahme des US-amerikanischen Modells den Fortbestand der katholischen Kindergärten sehr gut vorstellen. Die Kirche muss sich nicht entscheiden.
„Ich glaube, dass auch unsere Fehler und Irrtümer nicht vergeblich sind, und dass es Gott nicht schwerer ist mit ihnen fertig zu werden, als mit unseren vermeintlichen Guttaten.“ Dietrich Bonhoeffer (Widerstand und Ergebung)

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