"Wo Gott ist, da ist Zukunft" - die O-Töne der Nazis...

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pOng
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"Wo Gott ist, da ist Zukunft" - die O-Töne der Nazis...

Ungelesener Beitrag von pOng » Sonntag 28. August 2011, 10:46

"Wo Gott ist, da ist Zukunft"


So lautet der offizielle Slogang für den anstehenden Papstbesuch, der den Leitspruch der Veranstaltung bilden soll. Er prangt von Auto-Heckscheiben, T-Shirts und anderen "Pastbesuchs" Devontionalien. Dabei greift die Kirche mit diesem O-Ton ebendie Argumentatorik auf, wie sie zwar auch von Politikern aller Parteien verwendet wird, sondern bereits von der Nazi-Propaganda wie der damals - wenn gern auch vergessen - erstaunlich Nazi-affinen Christen-Kirchen.

Absicht?

Mit Angst hat sich schon immer trefflich konservativste, freiheitsbeschränkende wie demokratiefeindliche Politik machen lassen - und so ist es kaum verwunderlich, das sich dieser "O-Ton" auch in Reden und Ideologie der Nazioberen wiederfindet, ja sogar ein wesentliches Fundament ihres politischen Erfolges wie ihren Rassenlehren bildete.

Wo kein Gott herrscht, ist Zusammenbruch, soziale Zerrüttung sowie nicht mehr zu bändigende Gewalt - so selbst der Tenor gar nicht so weniger heutiger Politiker - im Iran? Nein, auch in Deutschland!...

So war es auch weder "Zufall" noch "vereinzelte Irrung" des Vatikans, das seine "Heiligkeit" der Naziobrigkeit höchstselbst Privataudienzen einräumte. Auch der deutsche Klerus blökte kaum leiser in die selben rassistischen wie nationalsozialistischen H örner - und das aus tiefster Überzeugung.

Interessanterweise stellen ausgerechnet diejenigen, die sich unter den Nazis als "treueste Gehilfen" und auch Menschenrechtsverbrecher etablierten, just nach Kriegsende klar, das weder sie selbst noch der Gottglaube oder Klerus an den Massenverbrechen wie den Entartungen des Dritten Reiches beteiligt gewesen seien und schieben dies sogar den "Atheisten" zu, während sie die neue Verfassung des Freistaates Bayern (die bis heute juristische Basis und Fundament des deutschen bzw bayrischen Anti-Laizismus geblieben ist) kreieren - und verwenden dies für Ihren "Beweis" der Unterlegenheit des Nichtchristentums.

Hier nur einige Äußerungen von Adolf Hitler, Josef Göbbels wie "SS-Mann" Himmler - überzeugte wie "überzeugende" Christen und auch überzeugt davon, das die Überlegenheit des Deutschen Volkes im "positiven Christentum" wie dem Gottglaube schlechthin zu finden sei:

http://m.hpd.de/node/11820

Nach Betrachtung dieser - heute gern "vergessenen" (aber immer noch belegbaren) - Sachverhalte, bleibt fraglich, wo bzw worin denn - wie so gern gegen religiöse wie weltanschauliche Gleichberechtigung wie gegen Säkularismus oder Laizismus argumentiert - die "moralische" bzw "wertesichernde Instanz" der deutschen Staatskirchen liegen soll, wegen dessen wir auf strikte Trennung von Staat verzichten sollen, die Privilegisierung einzelner Religionsinstitutionen gegenüber anderen Bürgern / Menschen als "erforderlich" hinzunehmen haben?

Betrachtet man die Historie, so wurden im Namen Gottes, in dessen Schutz, in dessen Legitimation oder gar Willen die bis dato größten Kriege und Menschheitsverbrechen organisiert wie durchgezogen - egal ob man nun die "heilige" Inquisition, die Kreuzzüge, den zweiten Weltkrieg oder auch die Ölkriege aus dem Hause Bush in Betracht zieht. Zwar waren auch die Stalin- oder DDR Zeit Beispiele für schlimmste Gewalt und Unfreiheit, nur käme heute niemand auf die Idee, den Stalinismus moralisch für vorbildlich einzustufen oder gar ehemalige Regierungsvertreter des Stalinismus oder DDR Regimes mit allen erdenklichen, staatlichen Ehren zu empfangen oder gar deren Organisationen mit staatlichen Privilegien auszustatten.

Es bleibt schlicht bigott, wenn Politiker oder gar Kirchler den "Atheisten" bzw Agnostikern vorwerfen, eine Gesellschaft ohne Gottglaube sei dem Untergang durch soziale Zerrüttung und/oder einer "unaufhaltsamen Gewaltspirale" gewidmet. Exakt DIES ist der Rassismus bzw die weltanschauliche Diskriminierung, der sich das Nazitum wie die damalige Kirche bediente - u.a. um Kriege gegen Russland oder die Abschaffung der Demokratie zu rechtfertigen - und nicht zuletzt: Die große Mehrheit der deutschen Christen vertrat ebendiese Auffassung.

Das der - sicher mit einigem Aufwand durch "Marketingexperten" ausgesuchte - Slogan zum Papstbesuch sich gerade auf dieses zwiespältige Angst/Überlegenheitsprinzip stützt, spricht mE für sich wie dem über die Jahrzehnte/-hunderte nicht wirklich veränderten Selbstbild der Christenkirche.

Derartige Ideologien sind es doch, die die Menschheit immer wieder an den Abgrund der Existenz führten - sie sind nicht Lösung, sondern Ursache...
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Re: "Wo Gott ist, da ist Zukunft" - die O-Töne der Nazis...

Ungelesener Beitrag von Christel » Dienstag 30. August 2011, 09:44

Stammt der Nonsens von Dir oder hast Du den Text woher kopiert?
„Ich glaube, dass auch unsere Fehler und Irrtümer nicht vergeblich sind, und dass es Gott nicht schwerer ist mit ihnen fertig zu werden, als mit unseren vermeintlichen Guttaten.“ Dietrich Bonhoeffer (Widerstand und Ergebung)

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Re: "Wo Gott ist, da ist Zukunft" - die O-Töne der Nazis...

Ungelesener Beitrag von pOng » Dienstag 30. August 2011, 14:06

Welcher "Nonsense"?

Eine Quelle mit nur einzelnen Zitaten der Nazi-Oberen ist ja dabei.

Welches Zitat ist denn falsch? Welche Behauptung?

Ehrlicherweise ist noch zu ergänzen, das bereits die die Kreuzzüge anstiftenden Päpste und Kirchler bereits der inhaltlich weithin ähnlichen Argumentatorik bedienten.

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Re: "Wo Gott ist, da ist Zukunft" - die O-Töne der Nazis...

Ungelesener Beitrag von Christel » Dienstag 30. August 2011, 22:37

pOng hat geschrieben:Welcher "Nonsense"?
Dein Beitrag!
pOng hat geschrieben:Eine Quelle mit nur einzelnen Zitaten der Nazi-Oberen ist ja dabei.
Nein! Wo? Welche Quelle, welches Zitat? Dein Link, soll wohl ein kleiner Witz sein? Tipp: Geh mal drauf.

"Wo Gott ist, da ist Zukunft" welcher Nazi hat das wann so propagiert? Wo ist der Beleg?
pOng hat geschrieben:Argumentatorik bedienten.
Nazivergleiche sind in Deutschland ein absolutes No-go, auch wenn ab und an versucht um Andersdenkende... zu diskreditieren.


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Was die alten Nazi’s betrifft
Sie waren wenig kreativ. Der Erfolg von Hitler ist gerade darauf zurückzuführen, dass er es nicht war:
Der nichtarbeitenden Bevölkerung angehörig, in mehreren Bibliotheken angemeldet… nahm er perfekt den Geist seiner Zeit in sich auf.
In die Kirche ging er nicht, dafür zu Wagner. Er stand auf Esoterik und glaubte an die Evolutionstheorie. Die Rassentheorie ist von dieser abgeleitet, wohl über Joseph Arthur de Gobineau
(* 14. Juli 1816 in Ville-d’Avray, bei Paris; † 13. Oktober 1882 in Turin) war ein französischer Diplomat und Schriftsteller, der durch seine Theorie der arischen Herrenrasse bekannt wurde. http://de.wikipedia.org/wiki/Arthur_de_Gobineau
Auch „entartet“ ist keine Erfindung der Nazis, sondern geht Max Nordau zurück, der den Begriff zuvor von Cesare Lombroso übernahm.
Max Nordau (* 29. Juli 1849 als Maximilian Simon Südfeld in Pest; † 22. Januar 1923 in Paris) war Arzt (u. a. Herzls Pariser Hausarzt), Schriftsteller, Politiker und Mitbegründer der Zionistischen Weltorganisation. http://de.wikipedia.org/wiki/Max_Nordau
(Cesare Lombroso * 6. November 1835 in Verona; † 19. Oktober 1909 in Turin) war ein italienischer Arzt, Professor der gerichtlichen Medizin und Psychiatrie. http://de.wikipedia.org/wiki/Cesare_Lombroso
Hitler glaubte, dass die Kirche evolutionär vergehen würde. Er sprach von der Vorsehung und sah sich wohl als deren Werkzeug. „Kampf der Arten“ – „Kampf der Rassen“ – die höhere, stärkere Rasse siegt.
pOng hat geschrieben:Hier nur einige Äußerungen von Adolf Hitler, Josef Göbbels wie "SS-Mann" Himmler - überzeugte wie "überzeugende" Christen und auch überzeugt davon, das die Überlegenheit des Deutschen Volkes im "positiven Christentum" wie dem Gottglaube schlechthin zu finden sei:
Nein, keiner von denen hatte was mit Kirche am Hut. Himmler war ein so starker Esoteriker, dass es selbst Hitler peinlich war. Über Joseph Goebbels schreibt wikipedia: "Dort trat er aus, wie er sich überhaupt vom Katholizismus zu lösen begann. Jetzt suchte er Halt bei den Gottesvorstellungen Fjodor Dostojewskis. Schließlich gelangte er unter dem Einfluss Oswald Spenglers zum Atheismus." http://de.wikipedia.org/wiki/Joseph_Goebbels

„Positives Christentum" (hier haben die Nazis bei der Aufklärung abgekupfert „positiver Religion“), ein Schlagwort mit dem die NSDAP
ihre eigene Weltanschauung als eine christliche, konfessionell ungebundene, dem „jüdisch-materialistischen“ Geist kämpferisch entgegengesetzte und am Prinzip des völkisch-rassistisch verstandenen Gemeinnutzes orientierte ausgab.[1] http://de.wikipedia.org/wiki/Positives_Christentum
Das ist nicht der Glaube der Kirche!
Die „Deutschen Christen“ sind nicht die „deutschen Christen“.
Die „deutschen Christen“ sind alle Christen in Deutschland. – Die „Deutschen Christen“ sind hingegen evangelische Christen, die sich gleichschalten ließen.

Dagegen organisierte sich der Pfarrernotbund http://de.wikipedia.org/wiki/Pfarrernotbund und die „Bekennende Kirche (BK)“ http://de.wikipedia.org/wiki/Bekennende_Kirche
Der Papst veröffentlichte die Enzyklika „Mit brennender Sorge“.
Folgen:
Die Nationalsozialisten wurden von der Verlesung der Enzyklika überrascht, doch sie reagierten schnell: In der Karwoche kam es zu ersten Hausdurchsuchungen und Verhaftungen. Zwölf Druckereien, die am Druck und der Verbreitung der Enzyklika beteiligt gewesen waren, wurden entschädigungslos enteignet. Eine Reihe von Klöstern und Bekenntnisschulen sowie mehrere theologische Fakultäten und Hochschulen mussten schließen.

Im April 1937 kam es auf Initiative Hitlers und Goebbels' zu einer neuerlichen Welle von Sittlichkeitsverfahren gegen Priester und Ordensleute, wozu Einzelfälle von der NS-Propaganda zu einer „symptomatischen Erscheinung” aufgebauscht wurden. Der Bevölkerung sollte vermittelt werden, dass die Kirche von der Erziehung der Jugend ausgeschlossen werden müsse, und das Vertrauen in sie untergraben werden. Richtigstellungen waren nur von der Kanzel aus möglich. In der Folge wurden 1937/38 die privaten katholischen Schulen aufgelöst oder vom Staat übernommen. Die Geistlichkeit durfte in Volks- und Berufsschulen keinen Religionsunterricht mehr erteilen.

Darüber hinaus wurden – abgesehen von der Entfernung des Bischofs von Rottenburg Joannes Baptista Sproll aus seiner Diözese – spektakuläre Maßnahmen jedoch vermieden. Der seit 1935 verfolgte Kurs gegen die katholische Presse, die Verbände und Schulen mit dem Ziel der beständigen Zurückdrängung der Kirche aus dem öffentlichen und politischen Leben wurde allerdings beibehalten. Die meisten Organisationen – vor allem die Jugendverbände – wurden bis 1939 aufgelöst, ihre Publikationen verboten und ihr Vermögen konfisziert.[2]
http://de.wikipedia.org/wiki/Mit_brennender_Sorge
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Re: "Wo Gott ist, da ist Zukunft" - die O-Töne der Nazis...

Ungelesener Beitrag von Christel » Mittwoch 31. August 2011, 22:44

„Ich glaube, dass auch unsere Fehler und Irrtümer nicht vergeblich sind, und dass es Gott nicht schwerer ist mit ihnen fertig zu werden, als mit unseren vermeintlichen Guttaten.“ Dietrich Bonhoeffer (Widerstand und Ergebung)

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Re: "Wo Gott ist, da ist Zukunft" - die O-Töne der Nazis...

Ungelesener Beitrag von niels » Samstag 3. September 2011, 13:36

Nun, die Zitate sprechen mE für sich - und es gibt ja mehr als genug weitere Aufzeichnungen von Reden, Tagebücher der verschiedensten - mehr oder weniger beteiligten - "Zeitgenossen".

"Wo Gott ist, da ist Zukunft" - das impliziert, das dort, wo kein Gott ist auch keine Zukunft sei (sein könne). Abgesehen von der widersprüchlichen Auslegung, das Gott schließlich überall sei, bleibt die Ideologie, das Gott nur da sei, wo Menschen ihm "wohlgefällig" sind (was und wer das auch immer definiert).

Zitat:
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Adolf Hitler: “Heute sagen Sie [Staatspräsident Bolz], das Christentum sei in Gefahr, der katholische Glaube bedroht. Darauf habe ich zu erwidern: Zunächst stehen heute an der Spitze Deutschlands Christen und keine internationalen Atheisten. Ich rede nicht vom Christentum, sondern ich bekenne, daß ich mich auch niemals verbinden werde mit solchen Parteien, die das Christentum zerstören wollen. Vierzehn Jahre sind sie mit dem Atheismus Arm in Arm gegangen. Dem Christentum ist niemals größerer Abbruch getan worden, als in der Zeit, da diese christlichen Parteien mit den Gottesleugnern in einer Regierung saßen. Das ganze Kulturleben Deutschlands ist in dieser Zeit zerrüttet und verseucht worden.” “Seit acht Monaten führen wir einen heroischen Kampf gegen die kommunistische Bedrohung unseres Volkes, die Verrottung unserer Kultur, Zersetzung unserer Kunst und Vergiftung unserer öffentlichen Moral. Der Leugnung von Gott, der Beschimpfung der Religion haben wir ein Ende gesetzt.” “Und nicht minder haben wir aufgenommen den Kampf gegen die Zersetzung unserer Religion. Ohne daß wir uns irgendeiner Konfession verpflichteten, haben wir doch wieder dem Glauben die Voraussetzung gegeben, weil wir der Überzeugung waren, daß das Volk diesen Glauben benötigt und braucht. Wir haben daher den Kampf gegen die Gottlosenbewegung nicht mit ein paar theoretischen Erklärungen aufgenommen, wir haben sie ausgerottet.”

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Und dafür wurde Adolf Hitler keinesfalls verachtet - nein gefeiert, aus tiefster Überzeugung seiner (mehrheitlich christlich konfessionellen) Anhänger.

Die "Unterlegenheit des Gottlosen" am Beispiel des Kommunismus bzw stalinistischen Russlands war für die große Mehrheit gegebene Tatsache und selbstverständlich. Sie war sogar der Beleg für die Überlegenheit der christlich-kirchlichen Morallehren. Das die Russen bereits zu Zarenzeiten, in denen die orthodoxe Kirche eng an eng mit den Zaren agierte, arme, verdummte Völker waren, blendet diese "Logik" (die keine ist) blind aus. Das der deutsche Antisemitismus seine Wurzeln in christlich wie kirchlichen Glaubensüberzeugungen zu finden ist, ist historisch detailliert belegbar, so wurden die großen Progrome des Mittelalters durch Kirchenvertreter angezettelt - vom Papst höchstselbst immerhin ideologisch wegbereitet.

Übrigens ist mir ebendiese Logik sogar zu meiner Kindheitszeit immer wieder begegnet, wenn auch hinter vorgehaltener Hand. Ein eingängiger Spruch war: "ohne Sonnenschein und Gott, geht der ganze Staat bankrott".

Zitat
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Joseph Goebbels: “Der Nationalsozialismus und der von ihm begründete Staat stehen auf der Grundlage des positiven Christentums. Sie geben den Konfessionen freie Betätigungsmöglichkeit und gewähren ihnen ihren starken Schutz. Am allerwenigsten aber sind sie [die Kommunisten] dazu geeignet, sich für Christentum und Konfessionen einzusetzen, die, als sie noch in Deutschland das große Wort führten, den Atheismus organisierten und der Gottlosenbewegung das Feld bereiteten.”

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...und mit dieser Überzeugung (die sich bei eingehender Lektüre seiner Tagebücher immer wieder findet) stand Göbbels - oder seine Frau, die besonders gern vom "lieben Herrgott" sprach - keinesfalls allein unter deutschen Kirchenchristen.


Zitat
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Heinrich Himmler (Aufsatz "Die SS als antibolschewistische Kampforganisation" in "Es spricht das neue Deutschland" 1936): "Wie lautet dein Eid?" Die Antwort ist: "Wir schwören dir, Adolf Hitler, als Führer und Kanzler des Deutschen Reiches Treue und Tapferkeit. Wir geloben dir und den von dir bestimmten Vorgesetzten Gehorsam bis in den Tod. So wahr uns Gott helfe!" Die zweite Frage lautet: „Also glaubst Du an einen Gott?" Die Antwort lautet: „Ja, ich glaube an einen Herrgott." Die dritte Frage lautet: „Was hältst du von einem Menschen, der an keinen Gott glaubt?" Die Antwort lautet: „Ich halte ihn für überheblich, größenwahnsinnig und dumm; er ist nicht für uns geeignet." Auch in der katholischen Kirche stand man den Atheisten unversöhnlich gegenüber. Bischof Lorenz Jaeger von Paderborn hatte im Fastenhirtenbrief vom Februar 1942 über die Sowjetunion erklärt: „Ist jenes arme unglückliche Land nicht der Tummelplatz von Menschen, die durch ihre Gottfeindlichkeit und durch ihren Christushaß fast zu Tieren entartet sind? Erleben unsere Soldaten dort nicht ein Elend und ein Unglück sondergleichen? Und warum? Weil man die Ordnung des menschlichen Lebens dort nicht auf Christus, sondern auf Judas aufgebaut hat.“

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Himmler bringt es auf den Punkt: Nur das Prinzip Gottglaube bringt Menschen dazu zu "gehorchen" und entgegen ihrer eigenen Moral, Überzeugung und Werte einem "höheren Sinn" zu folgen, der - selbstredend - von irdischen Wesen postuliert wie gesteuert wird. Es ist ebendies Prinzip, welchem sich auch heutige religiös motivierte Terroristen und Kriegstreiber wie die USA verschrieben haben - ja sogar ihr eigenes Leben zu geben bereit sind.

Liest man in den Tagebüchern überzeugter Nazis wie vielen untergebenen "Tätern" (auf allen Ebenen der Befehls- und Verwaltungsstrukturen), so findet man diesen Gottesbezug ebenso häufig wie die Überzeugung, das das Christentum anderen Gruppen, Glaubensformen oder gar "Gottlosen" prinzipbedingt überlegen sei - ebenso wie der Nationalsozialismus (wie später der Kommunismus) anderen Gesellschaftsformen und Kulturen übelegen sei - nur käme heute niemand auf die Idee, Nationalsozialismus oder Kommunismus als "Basis unserer Werte und Moral" zu postulieren oder gar als Allgemeintgut zu pflegen.

Die Kirche selbst hat sich öffentlich nicht gegen den Nationalsozialismus noch seinen "qualitativen Ideen" von Völkern und Glaubensgruppen distanziert. Im Gegenteil, die höchsten Kirchler haben sich gern und ausgiebig mit den Nazioberen ins Bett gelegt und selbst der Papst sah in den Nazis in erster Linie einen Garant dafür, das Mitteleuropa kirchenchristlich bleibe. Obige URL führt nur ein (bischöfliches) Beispiel auf. Die Papstaudienzen würde heute wohl auch niemand historisch bestreiten wollen.

Natürlich gab es einen kleinen Teil derer, die sich gegen den Nationalsozialismus aussprach oder gar engagierte - der Teil allerdings war unter Kirchlern wie Kirchenanhängern nicht größer als unter anderen Gruppen, dafür war der Teil der Befürworter wie Mitläufer vor allem dort hoch, wo Kirche und Glaube besonders hohe Präsenz hatte (man vergleiche zB nur mal München mit Berlin). Ein anderer Teil hatte sogar Bedenken, das die Nazis bselbst die Kirche um politischen Einfluß beschneiden könnte.

Fazit
====

Die Kirche hat als "Moral und Werteinstanz" - für die sie bis heute von Politikern deklariert wird - nicht nur weithin versagt, der von ihr postulierte, absolutistische Gottglaube bereitete sogar immer wieder den Boden für die schlimmsten Auswüchse an Gewalt - ob nun beabsichtigt oder nicht, das spielt keine wesenliche Rolle.

Menschen erwarten von modernen Religionen gleichberechtigenden Respekt, pluralistisch soziales Miteinander und Offenheit füreinander. "Wo Gott ist, da ist Zukunft" postuliert hingegen die (angebliche) Überlegenheit des (eigenen) Gottglaubens gegenüber anderen Gesellschaftsformen. Sie impliziert sogar, das dort, wo "kein Gott (anwesend) ist" auch keine Zukunft gäbe / geben könne.

Das entspricht sehr weit der mythischen Basis des Nationalsozialismus, der Kreuzzüge wie der Bush-Kriege wie der Position des Vatikans höchstselbst zum damaligen Nationalsozialismus.

Ratzinger selbst lässt uns ja immer wieder gern wissen, das ihm eine kleine, besonders "traditionell" katholische Kirchenanhängerschaft wesentlich lieber sei als eine große, multilaterale Kirchengemeinschaft. "Traditionell" im Kontext des Exinquisitors Ratzinger bedeutet - daraus macht er kein Geheiminis - Zeit und Ideologie vor dem II. Vatikanischen Konzil.

Natürlich hat Nationalsozialismus inhaltlich wenig bis gar nichts mit Christentum zu tun - das aber hat (spätestens Ratzingers Katholenkirche) auch kaum mehr, als den Namen im Schild...

Und - mal nebenbei - was Kirche von sich behauptet und tut (Wort und Tat) sind wiederum wesentliche Differenzen (falls man dort überhaupt noch Zusammenhänge erkennen kann).

Für den "Ungläubigen" allerdings sind vor allem Resultate - und eben nicht Selbstbehauptungen - interessant - so wie dem kritischen DDR-Bürger die reale Situation relevant war -und eben nicht Versprechen und Selbstverständnis der SED Partei- und Staatsführung.

Ist ja schön wenn Menschen - wie auch immer - die Welt verbessern möchten, letztlich zählen jedoch Resultate und keine Versprechen. Gut gewollt ist noch lange nicht gut gemacht...

Cheers,


Niels.

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Re: "Wo Gott ist, da ist Zukunft" - die O-Töne der Nazis...

Ungelesener Beitrag von Christel » Samstag 3. September 2011, 19:14

Keiner, der von Dir genannten Zitate enthält die Formulierung: „Wo Gott ist, da ist Zukunft"!
Die Überschrift dient der Diskreditierung Andersdenkender, es ist ein Versuch die kath. Kirche in die Nazi-Ecke zu stellen, nicht nur die von damals, sondern auch die von heute. :(

Es gibt Menschen mit blonden Haaren, die an Gott glauben. Das heißt nicht, dass alle Menschen, die an Gott glauben, blonde Haare haben. Seit Tausenden von Jahren glauben Menschen an „Götter“ oder an einen Gott. Waren / sind diese Menschen deshalb Nazis, nur weil Nazis auch „Gott“ im Munde führten? Nazis trugen auch Eheringe. Sind alle die früher und heute ebenfalls Eheringe tragen deshalb Nazis?

Es reicht also keinesfalls aus „Gott“ im Munde zu führen, um Nazi zu sein.
Umgekehrt kann man höchstens fragen, waren die Nazisgrößen auch Christen? Da diese These immer wieder geäußert wird, bin ich dem bereits vor längerer Zeit nachgegangen, habe einige Hitler Biographien, Reden von Hitler und Bücher über andere Nazis daraufhin gelesen und bin zum Schluss gekommen: NEIN.

Das von den Nazis propagierte konfessionell ungebundene sog. „positive Christentum“ ist nicht dasselbe wie der Glaube der Kirche. Eigentlich machten die Nazis etwas immer noch sehr Modernes, sie pfiffen auf den Glauben der Kirche, pfiffen auf die Überlieferungen und bastelten sich ihren eigenen Glauben zusammen.
Außerdem dienten die Aussagen der Nazis über Gott der Propaganda und der Täuschung. - Auch Diktatoren sind auf Zustimmung angewiesen. - Als Hitler aufkam konnte er daher viele täuschen. Sie hielten ihn tatsächlich für einen Christen. Heute wissen wir doch eigentlich mehr! Erstaunlich ist, dass anscheinend immer noch Menschen auf diese Täuschung hereinfallen.

Die Zeutzeugin Gisela Morkramer schreibt in ihren Erinnerungen „Das müsst ihr wissen“ S. 11: >>Sieben Jahre bin ich alt, als Adolf Hitler an die Macht kommt – am 5.3.1933! In der Schule ändert sich einiges:
Die Lehrpersonen werden nicht mehr mit „Guten Morgen!“ begrüßt, sondern mit „Heil Hitler“ – und mit erhobener Hand! Das Kruzifix über dem Katheder kommt an die Rückwand des Klassenzimmers, und ein Bild des Führers an seine Stelle! Das Gebet vor dem Unterricht ist auch ein anderes: „Laß auf unseres Führers Pfade leuchten deine Huld und Gnade. Senk ins Herze uns aufs neue Deutscher Ahnen Kraft und Treue! Uns so laß uns stark und rein deine Deutschen Kinder sein!“<<

Weiter erinnert sie sich S. 13 …>>in der Nähe der Synagoge, marschiert ein Trupp SA-Männer an uns vorbei. Mir gefällt das Singen – nur mit dem Text kann ich nichts anfangen. Der Refrain lautet: Kameraden, Soldaten – hängt die Juden, stellt die Schwarzen an die Wand!<<
In Schule hatte Gisela bereits gelernt, dass die Juden >>arg böse Menschen sein<< sollen. Aber sie versteht das mit den Negern nicht. Daher fragt sie ihre Mutter, was die Neger getan haben. Die Mutter antwortet: >>“Damit sind nicht die Neger gemeint!“ „Aber sie singen doch: Stellt die Schwarzen an die Wand“ „Die Schwarzen – das sind wir – die Katholiken!“<<

Vor dem Hintergrund der Oktoberrevolution und dem daraus erwachsenen stalinistischen Terrorregime, vor dem die Menschen sich nicht zu Unrecht fürchteten, gab sich Hitler als Hüter der herkömmlichen Ordnung aus. Alles nur Propaganda! Stattdessen errichtete er sein eigenes Terrorregime. Hitler und Stalin waren sich durchaus ähnlich, nicht nur weil beide den Tod von Millionen Menschen veranlasst haben. - Beide schlossen dann auch einen Bund, den „Hitler-Stalin-Pakt“, den keiner von beiden wohl wirklich einhalten wollte.

Aussagen stehen nie isoliert. Sie haben immer einen Hintergrund, eine Geschichte. Auch der, Dir aus Deiner Kinderzeit vertraute Spruch, "ohne Sonnenschein und Gott, geht der ganze Staat bankrott". Es ist die Antwort auf den SED-Spruch „Ohne Gott und Sonnenschein bringen wir die Ernte ein.“ Die Menschen haben durchschaut, dass dies nicht funktioniert.
niels hat geschrieben:Für den "Ungläubigen" allerdings sind vor allem Resultate - und eben nicht Selbstbehauptungen - interessant
Nein Niels! Es gibt weder „den Ungläubigen“, noch „den Gläubigen“, noch „den Christen“, noch „den Katholiken“… Solche Pauschalisierungen entsprechen der Realität nicht.
Im Übrigen praktizierst Du genau das, was Du Christen vorwirfst, nur dass Du die Pole vertauscht hast. Du stellst Christen und ihre Moral als minderwertig dar. :(

Grüße Christel
„Ich glaube, dass auch unsere Fehler und Irrtümer nicht vergeblich sind, und dass es Gott nicht schwerer ist mit ihnen fertig zu werden, als mit unseren vermeintlichen Guttaten.“ Dietrich Bonhoeffer (Widerstand und Ergebung)

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Re: "Wo Gott ist, da ist Zukunft" - die O-Töne der Nazis...

Ungelesener Beitrag von niels » Sonntag 4. September 2011, 16:10

nun,
Der "Slogan" bringt das auf den Punkt, was die Nazis zur (religiösen) Untermauerung ihrer eigenen Ideologie - aber auch deren (religiösen) Anhänger (immerhin eine Mehrheit der damals offiziell zu über 90% christlichen) Deutschen auf den Punkt.

Wenn man nur etwas eingehender sucht - allein schon in den Tagebüchern Göbbels - dürfte man diese Behauptung in ihren verschiedensten Facetten, Auslegungen und Verwendungen wiederfinden. Und wenn Dir persönlich soviel daran liegt, dann werde ich - sobald ich etwas 6eit dafür finde - mal passende Schriftstellen herauskramen.

Zur nachträglich quasi künstlich "atheistisierten" Nazi Zeit passt auch nicht ins Konzept, das ausgerechnet die Einziehung der Kirchensteuern durch den Staat just nach der Machtergreifung Hitlers gesetzlich reguliert wie eingeführt wurde - übrigens eines der wenigen Nazi Gesetze, das man nach 45 nicht mehr abgeschafft hat.

Natürlich ist Nationalsozialismus mit der Lehre von Jesus kaum vereinbar - aber ebendies darf man auch für die katechistischen Lehren der Kirche feststellen.

Natürlich sind auch heute nicht alle Christen mit dem einverstanden, was Kirche und Vatikan da so an (nicht selten sachlich wiedersprüchlichem) vor sich hin postulieren, und setzen sich hierfür immer häufiger auch öffentlich ein - in 20 Jahren aber zu behaupten, die Menschen hätten die Position der heutigen Kirche repräsentiert, wäre falsch wie irreführend.

Mit der Kirche ist es wie mit dem Stalinismus: Beide zugrundeliegende Lehren haben "das Gute" zum Ziel, funktionieren aber nicht im Kontext der Realität, denn sie lassen wesentliche - dem Menschen wie auch anderen Lebewesen zueigenen Eigenschaften und Verhaltensprinzipien komplett außer Acht. Sie funktionieren aber nur nach ihrem Menschenbild.

Allerdings hat die prinzipbedingt allzu menschliche Kirche kaum eine andere Option als Geschichtsverklitterung durch geneigte Anhänger, die "wissen" wie wichtig es ist, das die Kirche keine - schon gar keine wesentlichen - Fehler begeht bzw begehen kann.

Zum letzten mal hörte ich persönlich: "Wo Gott ist, da ist Zukunft" in einem hier bereits debattierten Werbespot des Missionswerk Karlsruhe - gedreht in einem Armenvierteil in Indien, vor dem Schrein eines "Götzen" und mit der "Feststellung", das es den Menschen deshalb schlecht ginge, weil sie einen falschen Gott anbeteten, ihr "Ausweg", insbesondere der wirtschaftliche, nur "die Lehre Christi" sein könne. Den selben Quark darf man sich parallel auch auf allen anderen christlichen TV Kanälen reinziehen - auf islamischen bzw islamistischen sowieso.

Einer der New York Attentäter sagte in seinem Testament sehr treffend: "eine Tat für Gott ist tausend mal mehr als tausend Taten für die Welt". Ebendies ist der Boden für Unmenschlichkeit, Gewalt und gegenseitige Ausrottung - Anmaßung über weltliche Kontexte hinaus - und darin liegt eine enorme Gefahr, deren Auswüchse wir ja immer wieder erleben mussten.



Auch und gerade angesichts der heutigen Probleme mit religiösen "Irrläufern" wie islamistischen Terroristen oder christianisierten Rassisten und Nationalisten - im Kontext einer in ihren Weltanschauung stetig divergierenden globalen wie europäischen Gesellschaft wäre ein Slogan a la "Liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst" oder auch "Gott ist überall" wohl nicht nur - glaubt man zumindest der Selbstdarstellung der Kirchen gegenüber der ganzen Gesellschaft - treffender, sondern auch aktueller gewesen.

Liborius
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Re: "Wo Gott ist, da ist Zukunft" - die O-Töne der Nazis...

Ungelesener Beitrag von Liborius » Sonntag 4. September 2011, 20:29

Hast Du auch einen Beleg für das angebliche Gespräch zwischen A. Hitler und Eugen Bolz. In Rottenburg, der heimatstadt von Bolz streitet man ein solches Gespräch ab. Eugen Bolz wurde bereits unmittelbar nach der Machtübernahme verhaftet da er jede Verhandlung mit dem Vatikan über das Konkordat ablehnte. Hingerichtet wurde er im Januar 1945

Christel
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Re: "Wo Gott ist, da ist Zukunft" - die O-Töne der Nazis...

Ungelesener Beitrag von Christel » Sonntag 4. September 2011, 23:05

niels hat geschrieben:Kirche kaum eine andere Option als Geschichtsverklitterung durch geneigte Anhänger
Ein starker Vorwurf! Bitte belege das!

Wenn Du meinst, etwas Falsches in meinen Aussagen zu finden, bitte nenne, was fasch sein soll.

Wenn man realitätsnah sein will, muss man unterscheiden!
Z.B. zwischen Kirchenzugehörigkeit und gläubige Christen, zwischen einem Glaubenszeugnis und Taktik, zwischen der kath. Kirche und politischen Parteien.
Und wenn man gerade die kath. Kirche beim Wickel hat, um sie in die Nazi-Ecke (und nun auch in die stalinistische Ecke) zu stellen :( , dann sollte man nicht vergessen zu erwähnen, dass 1933 in Deutschland nur 32,5 % der Bevölkerung Katholiken waren.

Als Vertreterin der Katholiken verstand sich die Zentrumspartei: http://de.wikipedia.org/wiki/Deutsche_Zentrumspartei
Angaben aus wikipedia Wahlen in Deutschland:
1930 wählten 11,8 % das Zentrum, 1932 12,4 % und 1933 immer noch über 11,3 %.
Über 21 % wählten 1932 SPD, 1933 immer noch über 18 %.
Über 14 % wählten 1932 KPD, 1933 waren es über 12 %.
Der Anteil der NSDAP stieg von über 18 % 1930 bis 1933 auf beinahe 44 % (4 Monate zuvor 33,1 %)

Diesen Wahlverfolg der NSDAP haben kaum die konservativen Wähler des Zentrums bewirkt, deren Wahlergebnisse sind nämlich in dieser Zeit erstaunlich stabil geblieben.
Die Mehrheit der Deutschen hat Hitler nicht gewählt.

Haben Diktatoren erst einmal ein Ziepelchen Macht, geben sie sie nichtmehr her. Das läuft über Werbung (sofern die Gruppe stark genug ist), Gleichschaltung, Vernichtung…
niels hat geschrieben:Zur nachträglich quasi künstlich "atheistisierten" Nazi Zeit passt auch nicht ins Konzept, das ausgerechnet die Einziehung der Kirchensteuern durch den Staat just nach der Machtergreifung Hitlers gesetzlich reguliert wie eingeführt wurde - übrigens eines der wenigen Nazi Gesetze, das man nach 45 nicht mehr abgeschafft hat.
Es gibt weit mehr als Atheisten und Christen. Das klare Bekenntnis zum Atheismus war verbunden mit der Sowjetunion, nicht mit der NSDAP.

Kirchensteuern sind keine Erfindung der Nazis:
So beginnt 1827 in Lippe-Detmold die Einführung der Kirchensteuer, nachdem sie 1808 in Preußen noch gescheitert war. Es folgen 1831 Oldenburg, 1835 die preußischen Provinzen Rheinland und Westfalen durch die rheinisch-westfälische Kirchenordnung, 1838 Sachsen, 1875 Hessen, 1888 Baden, 1892 Bayern und 1905/1906 das übrige Preußen.
http://de.wikipedia.org/wiki/Kirchenste ... schland%29
Mit dem Ziel, zu einer Selbstfinanzierung der Kirchen und dementsprechend zu einer stärkeren Entflechtung von Staat und Kirche zu kommen, wurden landesweit Kirchensteuern eingeführt, etwa 1875 in Preußen, 1887 in Württemberg und 1912 im Königreich Bayern.
1919 wird die Kirchensteuer in der Weimarer Reichsverfassung verankert. In Artikel 137, Absatz 6 heißt es: „Die Religionsgesellschaften, welche Körperschaften des öffentlichen Rechtes sind, sind berechtigt, auf Grund der bürgerlichen Steuerlisten nach Maßgabe der landesrechtlichen Bestimmungen Steuern zu erheben.
http://de.wikipedia.org/wiki/Kirchenste ... schland%29
niels hat geschrieben:Natürlich ist Nationalsozialismus mit der Lehre von Jesus kaum vereinbar
Eben!

Aber der Slogan „Wo Gott ist, da ist Zukunft“ ist mit Jesus vereinbar.
Mehr noch, dies wird durch Jesus erst ganz klar.
„Ich glaube, dass auch unsere Fehler und Irrtümer nicht vergeblich sind, und dass es Gott nicht schwerer ist mit ihnen fertig zu werden, als mit unseren vermeintlichen Guttaten.“ Dietrich Bonhoeffer (Widerstand und Ergebung)

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Re: "Wo Gott ist, da ist Zukunft" - die O-Töne der Nazis...

Ungelesener Beitrag von niels » Freitag 7. Oktober 2011, 19:58

Nun,
vielleicht habe ich tatsächlich unrecht und stattdessen sind es die Katholiken in ihrer Überheblichkeit und moralisierten Selbstgefälligkeit, die den ideologischen Boden für die Nazis wie ihr Drittes Reich erst bereiteten, den ideologischen Boden, auf dem die Nazi-Saat erst kräftig aufblühen konnte.

Hier nur eine kleine Auswahl an Drohungen und Beschimpfungen übelster Coleur von "Papst-Fans" an eine Reihe der Parlamentarier, die öffentlich und selbsterklärt der Papstrede fernblieben, wie sie sich in deren parlamentarischen Postfächern und Mailboxen zuhauf fanden.

Wenn der Papstbesuch eines erreicht hat, dann die weitere Selbstbestätigung und -behauptung derer, denen Demokratie und individuelle Selbstbestimmung und die freie Meinungsäußerung der Dorn im Auge sind, die, die das Recht auf ihrer Seite wähnen, weil sie meinen, einen bzw. "den" Gott auf ihrer Seite zu "glauben":


"Du dreckiger Hetzer gegen den Papst solltest mal so einen auf deine rote Fresse kriegen, dass dir Lump das Wasser im roten Dreckarsch kocht! Rotes Pack verrecke!"

"Marx und Engels haben dir wohl ins Gehirn geschissen"

"Ich fordere Sie geradezu auf, bei der Rede den Bundestag zu verlassen. Ich möchte Ihre Visage nicht in meiner Aufzeichnung sehen."

"Du bist ein Verbrecher!!! na du stück scheiße, wie gehts denn so? normalerweise solltest du im gefängnis verrotten wie alle ost-bonzen, denn ihr seid allesamt verbrecher!"

"ewig gestriger Widerling"

"Ihre Äußerungen zum Papstbesuch sind unerträglich. Sie als blöder Ossi könnten wohl zurückhaltender sein."

"Leider verbietet, im Gegensatz zum mordlüsternen Koran, mein christlicher Glaube, auch Ihnen eine kräftige Ohrfeige zu verpassen. Aber wir werden Sie nicht Ihre blasphemischen Äußerungen ungestraft verbreiten lassen."

"solche gottlosen Politiker wie Sie sind der Untergang für unser Land."

"ungläubiger!!!!!! Sie sind auch einer der "gegen die Kirche, Pabst mobilmacher!!!! dieses wird auch in IHREM Wahlkreis sehr deutlich dargestellt und Sie werden niemals mehr unser deutsches Volk vertreten!!!! Sie haben die ganze Pabst GEGEN Hetze mitverantwortet."

"Ihrem Akzent kann man entnehmen, dass Sie von jenseits des Jordans stammen, und nicht zuletzt von daher stimmuliert sind den Papstbesuch zu boykottieren."

"Die übelste Schande für die deutsche Demokratie sind Leute wie Sie."

"Selig die ‚bewußt‘ Armen im Geiste, denn sie werden Trottel genannt und -Herrgott, vergib ihm, denn dieser wichtigtuerische Hohlkopf weiß absolut nicht, was er da redet ! ! ! ! ! ! ! Dann geh doch nicht hin, Du Volldepp!!!!!!!"

"Herr Schwanitz, Sie sind ein erbärmlicher Klugscheißer !!!!!"

"Du dreckiger Hetzer gegen den Papst solltest mal so einen auf deine rote Fresse kriegen, dass dir Lump das Wasser im roten Dreckarsch kocht! Rotes Pack verrecke!"
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Christel
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Re: "Wo Gott ist, da ist Zukunft" - die O-Töne der Nazis...

Ungelesener Beitrag von Christel » Sonntag 9. Oktober 2011, 22:34

Hallo Niels, ich weiß nicht, wer wen kürzlich beschimpft hat. Ehrlich gesagt, es interessiert mich auch nicht.

Außerdem sehe ich keinen niveaumäßigen Unterschied zwischen den von Dir genannten Beschimpfungen und Deiner diskriminierenden Falschaussage:
niels hat geschrieben:stattdessen sind es die Katholiken in ihrer Überheblichkeit und moralisierten Selbstgefälligkeit, die den ideologischen Boden für die Nazis wie ihr Drittes Reich erst bereiteten, den ideologischen Boden, auf dem die Nazi-Saat erst kräftig aufblühen konnte.
Wenn Du etwas behauptest, dann begründe es bitte sachlich!

Die Katholiken wählten mehrheitlich (zu 90%) Zentrum. Außerdem betrug ihr Bevölkerungsanteil in der Weimarer Republik nur etwa 1/3 der damaligen deutschen Bevölkerung.
Hitler kam jedoch durch eine Wahl an die Macht. Wie kam das, wenn doch die Katholiken angeblich an Hitler schuld sind?

Hätten die Katholiken tatsächlich einen solchen Einfluss gehabt wäre statt der NSDAD das Zentrum an die Macht gekommen und uns allen wäre das „Dritte Reich“ erspart geblieben.

Grüße Christel
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Re: "Wo Gott ist, da ist Zukunft" - die O-Töne der Nazis...

Ungelesener Beitrag von Liborius » Montag 10. Oktober 2011, 15:14

pOng hat geschrieben:Welcher "Nonsense"?

Eine Quelle mit nur einzelnen Zitaten der Nazi-Oberen ist ja dabei.

Welches Zitat ist denn falsch? Welche Behauptung?

Ehrlicherweise ist noch zu ergänzen, das bereits die die Kreuzzüge anstiftenden Päpste und Kirchler bereits der inhaltlich weithin ähnlichen Argumentatorik bedienten.
Dein Beitrag ist in jeder Beziehung ein Nonsens.
Dein Link funktioniert nicht, deshalb habe ich mir selbst die Mühe gemacht irgend eine Quelle für Deine Behauptung zu finden - Vergebens. Es gibt keine Äusserung von irgendeinem NS-Oberen, indem man nur annähernd herauslesen könnte ... wo Gott ist, da ist die Zukunft...

Auch Deine Geschichtskenntnisse sind ja mehr als mangelhaft. Folgender Satz habe ich aus Wiki und er wird von allen namhaften Historikern getragen.
Ohne die Zerstörung der Grabeskirche in Jerusalem hätte es keine Kreuzzüge gegeben.

Zitat:
Dem Ersten Kreuzzug war ein Hilferuf des byzantinischen Kaisers Alexios I. Komnenos um militärische Unterstützung gegen die Seldschuken vorausgegangen. Dies löste den Aufruf Papst Urbans II. 1095 in Clermont aus, der zur Befreiung Jerusalems und des Heiligen Landes aus der Hand der Muslime aufforderte, mehr als acht Jahrzehnte, nachdem es in der Regierungszeit des fatimidischen Kalifen al-Hakim 1009 zur Zerstörung der Grabeskirche gekommen war, eines der größten Heiligtümer des Christentums.

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