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Christel
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Re: Glaube und Werte

Ungelesener Beitrag von Christel » Freitag 29. Dezember 2017, 17:55

Unter Religion versteht man all die vielfältigen Beziehungen des Menschen zu Gott, dem Göttlichen oder, ganz allgemein gesprochen, dem Transzendenten. http://relilex.de/religion/
So wird ganz traditionell Religion definiert. Diese Definition deckt sich mit meinem Verständnis von Religion. Daher sehe ich Dietrich Bonhoeffers Aussagen vom „religionslosen Christentum“ siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Religions ... hristentum
https://bonhoefferdietrich.files.wordpr ... 3b6tke.pdf
genauso kritisch wie Ga-chens Unterscheidung von ihrem Glauben an Jesus und der Religion.
Man kann den christlichen Glauben weder von Gott, noch vom Transzendenten lösen, somit ist das Christentum eine Religion und ein religionsloses Christentum kann es schlicht und ergreifend nicht geben.

Gerade hier im Forum wurde Religion jedoch viel weiter definiert, eine Definition, die bei Atheisten sehr beliebt ist. Dabei wird Religion weit über die Beziehung zu Gott, dem Transzendenten auf den säkularen Bereich ausgedehnt, also vieles einbezogen, was gar nichts mit Gott oder Transzendenz zu tun hat, wie politische Ideologien…

(Dietrich Bonhoeffer kann man‘s nicht vorwerfen, sein Ansatzpunkt war ein anderer und die heutige Situation nicht absehbar. …)

Es gibt einen Grund, weshalb heute der klassischen Definition,
Unter Religion versteht man all die vielfältigen Beziehungen des Menschen zu Gott, dem Göttlichen oder, ganz allgemein gesprochen, dem Transzendenten. http://relilex.de/religion/
nicht ohne weiteres zugestimmt wird. Diesen Grund, sehe ich darin, dass so die Religion zur Ursache von Gewalt und Krieg erklärt werden kann. Hierfür lassen sich zwar leicht Beispiele finden, doch reicht dies nicht, um die Religion zum allgemeinen „Sündenbock“ zu erklären, denn auch Beispiele für nicht religiös motivierte Gewalt lassen sich leicht finden. Es sei denn, man definiert „Religion“ einfach weiter in den eigentlich säkularen Bereich hinein.
So kommt nicht mehr in den Blick, dass es genügend andere Ursachen für Gewalt gibt und
dass Religion sogar Gewalt einzudämmen und entgegenzuwirken vermag ist völlig aus dem Fokus verschwunden.

Es ist gewollt der Religion den „Schwarzen Peter“ zu zuschieben. Auf diese Weise kann sich der heute säkularisierte Mensch seiner selbst vergewissern. Mancher braucht es auch als Alibi/Begründung mit der Tradition gebrochen zu haben, die seinen/ihren Eltern existentiell wichtig war. Andere haben es, unabhängig davon, so wie man gängigen Phrasen eben glaubt, inzwischen als festen Bestandteil ihres „Wissensgebäudes“ übernommen.

Tatsächlich lernen ja wirklich nicht nur einzelne Menschen, auch Gesellschaften, auch Religionen, Kirchen…

Eine Gesellschaft, ein Staat versucht sich so aufzustellen, dass er dem Gemeinwohl dient, dazu wurden entsprechende Strukturen geschaffen, Geschichte wird vermittelt, um daraus für Gegenwart und Zukunft zu lernen. Das gesellschaftliche Klima sorgt (bzw. versucht es) für die entsprechende Sozialisation der Jugend und Zugewanderten.

Wer sich historisch mit Religionen befasst erkennt leicht deren Entwicklung. Auch das Judentum entwickelte sich erst in Auseinandersetzung mit den Religionen. 500 Jahre vor Christus war das Judentum anders als zur Zeit Jesu und heute ist es wiederum etwas anderes.
Auch das Christentum durchlief eine Entwicklung, angefangen von Jesus bis heute. Die Katholische Kirche war zur Zeit Luthers eine andere als heute.

Doch bei all der Entwicklung ist nicht zu vergessen, die Geschichte beginnt mit jedem einzelnen Menschen neu. Ein Mensch der heute geboren wird ist, Verzeihung, genauso duselig wie ein Mensch, der von 5000 Jahren, vor 2000 Jahren, vor 500 Jahren… geboren wurde. Wir sind nicht automatisch schlauer, weil es dieses oder jenes geschichtliche Ereignis gab. – Hitler war möglich, trotz demokratischer Strukturen, trotz Aufklärung, trotz Neuzeit…

Jeder Mensch muss neu anfangen, Christen nennen es Nachfolge Jesu, andere reden von Humanismus, andere verhalten sich einfach anständig … - Auf jeden Fall muss man es tun, muss man sich entscheiden. – Wer den Religionen den „Schwarzen Peter“ zuschiebt und sich deshalb schon selbst als besser, aufgeklärt, vernünftig, humanistisch … fühlt, macht es sich nicht nur zu einfach, er diskriminiert religiöse Menschen.
„Ich glaube, dass auch unsere Fehler und Irrtümer nicht vergeblich sind, und dass es Gott nicht schwerer ist mit ihnen fertig zu werden, als mit unseren vermeintlichen Guttaten.“ Dietrich Bonhoeffer (Widerstand und Ergebung)

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