Christ werden durch und als Strafvollzug?

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niels
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Christ werden durch und als Strafvollzug?

Ungelesener Beitrag von niels » Sonntag 21. Dezember 2008, 20:09

...soeben im ARD - Weltspiegel: Ein "Knast" in der Nähe von San Francisco geht neue Wege.

Eiin "konservativer Prediger" hat ein "40 Tage Programm" für den Strafvollzug entwickelt, in dem Straffällige eine verkürzte und bessere Haft realisieren können, wenn Sie "ehrlich zeigen, das sie sich dem Christentum zuwenden". Wer glaubhaft zeigen kann nun "gläubiger Christ" zu sein, darf als "wertvolles Mitglied der Gesellschaft" wieder in die Freiheit.an jedem Tag gibt es gemeinsame christliche Gesänge und Videositzungen, in denen der "Prediger" a la Schulstunde die bösen Menschen zum Guten drehen will. Basis ist der feste Glaube an Christus (und die Lehren des Predigers darüberhinaus...).

Wäre sowas in Eurpoa möglich? Ich glaube und hoffe nicht - zumindest nicht in dem Kontext. Ich habe nichts dagegen, wenn sich Christen auch um Straffällige kümmern - ganz im Gegenteil. Sie dürfen durch ihr Werk auch gern als Vorbild wirken. Aber darf ein Staat überhaupt Menschen auf Basis ihrer Religion derart bevorzugen oder gar unter Druck setzen, wie es die Amis da tun?

Cheers,

Niels.

Heinrich5

Re: Christ werden durch und als Strafvollzug?

Ungelesener Beitrag von Heinrich5 » Sonntag 21. Dezember 2008, 23:40

Unglaublich, aber so etwas gibt es nur in den USA. Im säkularisierten Europa ist so etwas glücklicherweise nicht möglich.

Jeden Morgen, noch vor den ersten Tagesbefehlen, betet Präsident George Bush und liest Oswald Chambers Feldpredigten aus der Zeit des Ersten Weltkrieges. Sie sprechen von der äußersten Hingabe für die höchste Sache. Vom Gebet als Kampf, vom Kampf als Gebet. Der christliche Fundamentalismus dieses Präsidenten hatte katastrophale Langzeitwirkungen. Die arabische Welt sieht den Westen auf einem Kreuzzug. Und antwortet, ebenfalls fundamentalistisch – mit dem Djihad. Gut dass die Ära Bush bald vorbei ist.
Behüte uns uns der gesunde, aufgeklärte Menschenverstand vor solchen Glaubenskriegern.
In den USA haben Freikirchen mehr Zulauf als die Amtskirchen. Von einer neuen Erweckungsbewegung ist die Rede. 46% aller gläubigen Amerikaner nennen sich 'evangelistisch' oder 'wiedergeboren' – wie Bush. Sie sind ultrakonservativ und wollen ein anderes Amerika, wie in den 50er Jahren. Als Schulgebete Pflicht waren, als die Kinder lernten, die Schöpfungsgeschichte in der Bibel wörtlich zu nehmen. Ein fundamentalistisches Amerika. Bush hat viele freikirchliche Anhänger, und sie unterstützen ihn – nicht nur mit Millionenspenden – sondern vor allem in der öffentlichen Debatte.
Das Gefährliche an einer solchen Politik von Bush ist, dass dadurch eine Weltsicht zustande kommt, die nur die eigene Seite als das Symbol und die Vertreterin des Guten sieht und auf der anderen Seite die 'Achse des Bösen'. Während sich auf der anderen Seite bei den radikalen Islamisten ähnliche Haltungen stärken, dass sie sagen: Das ist ein Ausdruck von Kreuzzugsdenken, das ist ein Ausdruck für den Versuch der Amerikaner und der Christen, uns zu dominieren, und es stärkt im Grunde auf der islamischen Seite ähnliche Tendenzen."
Das himmlische Jerusalem, von Engeln bewacht. Ein Ort ewigen Friedens, Sicherheit und
Harmonie. Ein amerikanisches Ideal. Es mit Waffengewalt herbeizuführen, das war und ist die neue
Weltordnung des frommen Präsidenten, welcher nun bald aus dem Amt scheidet. Sie fußt auf
altertümlichen Visionen.

Schlechte Karten haben jetzt in diesem Strafvollzug natürlich die nichtchristlichen straffällig gewordenen Amerikaner. Sollen sie konvertieren zu einer Freikirche? Offensichtlich haben die wohl die Chance etliche Monate weniger abzusitzen bzw. nach dieser Gehhirnwäsche sofort auf freien Fuß zu kommen.

Gruß,
Heinrich5

Christel
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Re: Christ werden durch und als Strafvollzug?

Ungelesener Beitrag von Christel » Montag 22. Dezember 2008, 21:43

Heinrich5 hat geschrieben:Unglaublich, aber so etwas gibt es nur in den USA. Im säkularisierten Europa ist so etwas glücklicherweise nicht möglich.

Schlechte Karten haben jetzt in diesem Strafvollzug natürlich die nichtchristlichen straffällig gewordenen Amerikaner.
Wieso, die können sich doch bekehren! :mrgreen:

Vielleicht wäre es doch ein Modell für uns.
Beichte statt Knast! – Dann sind die Beichtstühle sicher wieder voller. :lol:

Im Moment finde ich es lustig.
Wem Knast versprochen wurde, der muss sich doch nicht beschweren, wenn es andere besser haben.
Außerdem spart das Modell Steuergelder.

Heinrich5

Re: Christ werden durch und als Strafvollzug?

Ungelesener Beitrag von Heinrich5 » Dienstag 23. Dezember 2008, 10:11

Sehr lustig,

der Knast wäre dann nur noch für nichtbekehrungswillige Atheisten, Heiden, Muslime und andere Nichtchristen da. Und die gehören sowieso in den Knast.

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niels
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Re: Christ werden durch und als Strafvollzug?

Ungelesener Beitrag von niels » Dienstag 23. Dezember 2008, 11:37

Im Moment finde ich es lustig.
hmmm, meinst Du das auch ernst?
Wem Knast versprochen wurde, der muss sich doch nicht beschweren, wenn es andere besser haben.
Außerdem spart das Modell Steuergelder.
Ich denke in Amiland wird am Strafvollzug bereits mehr als möglich gespaart. Eine brauchbare Resozialisierung erfolgt in den seltensten Fällen (es sei denn, man sieht auch z.B. diese "Turbo-Drill Lager", bei denen den Teilnehmern die Person gebrochen und die Würde genommen werden soll als "resozialisierend wertvoll".)

Leider häufen sich auch die Stimmen in Deutschland, die solcherart Strafvollzug (u.a. wegen der "einsparbaren Steuern") befürworten. In Amiland sehen viele ("bekennende Christen") auch die Todesstrafe als geeignete Einsparungsmaßnahme...

Dabei hat doch ifaik gerade Jesus den Sündern verziehen, um sie auf einen besseren Weg zu bringen - darunter verstehe ich heute eine funktionierende wie faire "Resozialisierung". Stattdessen töten die Amis "Mörder" (wobei der Begriff Mörder schon anders definiert wird als bei uns) falsch Verurteilte sind nicht selten und werden als "Kollateralschänden" hingenommen. Natürlich ist das dann kein Mord - zur Sicherheit aber verteilt man das "auf-den-Knopf-Drücken" beim Töten auf mehrere "Ärzte" bzw. Beamte von denen keiner weiss, ob sein Knopf angeschlossen war - offenbar ausreichend "beruhigend" für einige "Christen".

Das hier besprochene Modell geht davon aus, das Christen "bessere" sorry - es heisst dort offiziell "wertvollere" Menschen seien als andere. Selbst wenn sich diese Ansicht nur auf den Strafvollzug bezieht, halte ich das für naiv oder gar krank.

btw: Wer ist nach dem Konzept "guter" bzw. "geläuterter Christ"? Die Praxis besteht aus täglichem, gemeinsamen lauten Beten und Singen sowie die Teilnahme an den Videositzungs-Programm des Predigers, der das erfunden hat. Wer also brav betet, singt und zuhört ist ein "wertvoller Mensch" - gleich dem, was in seinem Kopf tatsächlich vorgeht.
Vielleicht wäre es doch ein Modell für uns.
Beichte statt Knast! – Dann sind die Beichtstühle sicher wieder voller. :lol:
Die Beichte halte ich für eine sehr zweischneidige Einrichtung. Während ein bewusst lebender Nicht-Christ weiß, das er seine "Sünden" bzw. " schlechten Taten" in jedem Fall selbst mit seinem Gewissen "abarbeiten" muss, Können sich Christen kleiner wie großer "Vergehen" mit einer halbstündigen Sitzung - darin vielleicht nen paar abgezählte und aufgesagte Gebete als "Buße" - fast jederzeit leicht entledigen. Dabei hab ich den Eindruck, daß gerade die Beichte die Hemmschwelle nicht weniger "Christen" kräftig sinken lässt.

Noch einfacher wird es im "Jubeljahr" und Ostern, wo Sünder einfach durch die "Teilnahme" (afaik reicht heute sogar das Anschauen einer TV-Übertragung) das "Sündenkonto" auf Null setzen können - eine Art "Gewissens-Reset" also. Und schon kann es weitergehen wie bisher...

Gelöscht_09041201

Re: Christ werden durch und als Strafvollzug?

Ungelesener Beitrag von Gelöscht_09041201 » Dienstag 23. Dezember 2008, 18:27

Heinrich5 hat geschrieben:Behüte uns uns der gesunde, aufgeklärte Menschenverstand
die Hoffnung stirbt zuletzt...


Christel hat geschrieben:Beichte statt Knast! – Dann sind die Beichtstühle sicher wieder voller
ja, mehr Scheiterhaufen braucht das Land..


Wem nützt die Beichte, ausser dem Pfarrer? Naja, schließlich will ein Schäfer auch wissen wann und wie und wo es seine Schafe treiben :mrgreen:



vg

Heinrich5

Re: Christ werden durch und als Strafvollzug?

Ungelesener Beitrag von Heinrich5 » Dienstag 23. Dezember 2008, 18:39

Die Kirche hätte ihm verziehen, wenn er nur gebeichtet hätte und dann hätte er weiter machen können


Eine Zeitungsmeldung:

Katholischer Pfarrer steht wegen 101 Straftaten vor Gericht
29. September 2008,

Das Gebot der Nächstenliebe hat ein katholischer Pfarrer aus Baden-Württemberg offensichtlich missverstanden. Der Geistliche steht wegen 101 Straftaten vor Gericht. Als Kavaliersdelikte gelten seine Taten längst nicht mehr, stattdessen liest sich seine kriminelle Karriere wie die eines Serienverbrechers.

Der katholische Pfarrer Frank B. steht vor Gericht.
Wegen Betrugs, Körperverletzung, Nötigung und Untreue muss sich seit Montag ein katholischer Geistlicher vor dem Landgericht Freiburg verantworten.
Dem 39-Jährigen werden insgesamt 101 Straftaten zur Last gelegt, sagte Staatsanwalt Dietrich Bezzel zum Prozessauftakt. Der Pfarrer habe die katholische Kirche um 137.000 Euro betrogen und vier weitere Opfer um mehr als 90.000 Euro geschädigt.
Eine Frau, zu der er in enger Beziehung stand, habe er misshandelt, bedroht und systematisch unter Druck gesetzt. Zu der Frage, ob die Frau seine Geliebte war, wollte sich der Angeklagte zunächst nicht äußern.
Die Beziehung sei von Geldforderungen und Gewalt geprägt gewesen. Unter anderem soll der Pfarrer die Frau mit einem Gürtel geschlagen haben. Der Anklage zufolge zwang er sie außerdem, ihr Haus zu verkaufen und das Geld ihm zu geben.
In seiner Funktion als Priester und Doktorand! habe der Angeklagte 2003 und 2004 die Erzdiözese Freiburg und eine Freiburger Kirchengemeinde belogen. Drei Darlehen seien auf diese Weise erschlichen worden, sagte Bezzel. Zudem habe der Geistliche im Dezember 2005 Spenden gesammelt, das Geld aber für sich behalten. Für den Prozess sind sieben Verhandlungstage angesetzt.
Er habe Geld für die Behandlung seines schwer kranken Bruders gebraucht, sagte der Angeklagte. Zu den Details seiner Beziehung zu der Frau wollte er sich nur nur unter Ausschluss der Öffentlichkeit äußern. Um die Beziehung aufzuarbeiten befinde er sich seit zwei Jahren in psychotherapeutischer Behandlung.
Es sollen 21 Zeugen und zwei Sachverständige gehört werden. Das Urteil wird am 17. Oktober erwartet.

In den USA hätte er nach seiner Verurteilung aufgrund seiner "theologischen Vorbildung" kein 40-Tage-Programm gebraucht, sondern 10 Tage hätten zur Begnadigung auch gereicht. Anschließend hätte er evangelikaler Prediger werden können (vielleicht bei den Baptisten? oder Methodisten?).

Gruß,
Heinrich5

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Re: Christ werden durch und als Strafvollzug?

Ungelesener Beitrag von Ga-chen » Donnerstag 16. November 2017, 22:23

>>>Noch einfacher wird es im "Jubeljahr" und Ostern, wo Sünder einfach durch die "Teilnahme" (afaik reicht heute sogar das Anschauen einer TV-Übertragung) das "Sündenkonto" auf Null setzen können - eine Art "Gewissens-Reset" also. Und schon kann es weitergehen wie bisher...<<<

Das glaube ich nicht! Wer Gnade erfahren hat, ändert seine Gesinnung, "wem viel vergeben ist, der liebt viel", Zitat Jesu Christi
Liebe Grüße von Ga-chen

Augustinus suchte nach Gott und grübelte und grübelte und ging an einen Strand. Dort traf er einen Jungen, der mit einem Löffel Wasser aus dem Meer auf den Strand goss. Auf die Frage, was er da mache, antwortete der Junge: "Ich löffel das Meer aus!" In dem Moment sprach Gott zu Augustinus: "Genau das machst du!"

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